Trumps 80. Geburtstag: UFC-Kampf im Garten des Weißen Hauses
UFC-Kampf im Weißen Haus zu Trumps 80. Geburtstag

Trumps 80. Geburtstag: UFC-Kampf im Garten des Weißen Hauses

Washington. Martial-Arts-Fighter huldigen dem Präsidenten, Michelle Obama wird verunglimpft, und die Regierungszentrale wird zur militarisierten Pay-per-View-Zone. US-Präsident Donald Trump feierte seinen 80. Geburtstag mit einer außergewöhnlichen Show auf dem South Lawn des Weißen Hauses.

Am Ende war Donald Trump auf seinem eigenen Rasen vor allem Statist in der größten Fernsehkulisse, die je auf dem South Lawn des Weißen Hauses errichtet wurde. Kein Geburtstagsständchen, keine Torte, keine Rede des Präsidenten oder für ihn, kein Wort zum Iran, keine offizielle Ehrung zum 80. Nur Trump im dunkelblauen Anzug, ernst, beinahe mürrisch. Daneben Dana White, sein Buddy und gleichzeitig der breitbeinige Chef der Kampfsport-Organisation UFC, in Turnschuhen. Begleitet von Kameras bahnten sie sich den langen Weg aus dem Oval Office zum Käfig.

Vor ihnen stand „The Claw“, eine gewaltige Stahlkonstruktion, die wie eine Mischung aus Konzertbühne, Rüstungsgestell und imperialem Insektenpanzer über dem achteckigen Box-Tritt-Würge-Ring hing. Bis in die frühen Morgenstunden am Montag stiegen hier sieben Martial-Arts-Kämpfe in unterschiedlichen Gewichtsklassen, quasi draußen, im schwülen Washingtoner Juni, unter schwerem Himmel. Gewitter waren angekündigt, Regen zog durch, der Beginn wurde um eine Stunde verschoben.

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Seit Samstag war die Innenstadt Washingtons abgeriegelt wie vor einem Hochsicherheitsgipfel. Rund um das Weiße Haus: Straßensperren, Metallgitter, Checkpoints wie am Flughafen, Polizisten, Secret Service, Bundesbeamte, Nationalgardisten, die typischen schweren Schneepflüge als Barrieren gegen Fahrzeuge. Wer auf die Fanfläche wollte, musste durch Schleusen inklusive Taschenkontrollen. Auf der Constitution Avenue wälzten sich UFC-Fans, Trump-Anhänger, neugierige Touristen, Gegen-Demonstranten („Trump entweiht unser Heiligstes“) und Prediger aneinander vorbei.

Auf der Ellipse, im Schatten des Washington Monument, waren Großbildschirme aufgebaut. Der Raum hätte 85.000 fassen können, wurde aber nicht ganz voll. Überwiegend junge Männer, viele in Shorts, einige mit Bierbauch, Tattoos, Käppis. Kaum klassische Maga-Uniformen. Eher UFC-Amerika als Parteitag: Muskel-Shirts, rotes, weißes und blaues Plastik zum 250-jährigen Bestehen des Landes. Ein junger Fan aus Los Angeles sagte, er sei schon bei vielen UFC-Fights gewesen, aber dieser sei anders: „Man hat das Weiße Haus im Hintergrund. Das ist total anders.“

„USA! USA!“ Genau darum und ums Geldverdienen ging es. Drinnen, im kleinen Kreis der rund 4000 Geladenen auf den Tribünen, saßen Melania Trump, JD Vance, Marco Rubio, viele andere Kabinettsmitglieder, Meta-Chef Mark Zuckerberg, Paramount-Skydance-Chef David Ellison (der das Spektakel exklusiv im Bezahlfernsehen übertragen durfte) und Ari Emanuel, Chef der UFC-Mutterfirma TKO, an der Donald Trump Anteile hält.

Militärangehörige dominierten die Kamerabilder. Immer wieder blendete Paramount Uniformierte ein, jubelnde Männer, „USA! USA!“-Rufe, Fäuste in der Luft. Zur Nationalhymne sang Zac Brown, hinter ihm der Armed Forces Joint Chorus. Ein Dutzend Militärflugzeuge zweier Kunstflugstaffeln sausten in einer „Super Delta“-Formation über den South Lawn. Brown hatte vorher gesagt: „Ich bin für die Truppen da. Für mich ist das Patriotismus, keine Politik.“

Die Kämpfer zogen aus Räumen des Eisenhower Executive Office Building durch das Weiße Haus herüber; zeitweise zeigten die Kameras barfüßige Athleten beim Aufwärmen in historisch dekorierten Sälen. Viele kamen in Badelatschen, begleitet von White-House-Personal, dann hinüber in den Käfig. Steve Garcia trug eine US-Flagge über den Schultern. Bruce Buffer, die Stimme der UFC, erschien in einer silbernen Smokingjacke mit Sternen. Die Ring-Girls sahen aus wie Wonder-Woman-Varianten. Alles war grell, laut, bunt und sehr trumpatriotisch.

Kämpfer beleidigt die ehemalige First Lady

Sportlich lieferte der Abend, den nur 16 Prozent der Amerikaner vorher in Umfragen gut fanden, schnelle Bilder: Diego Lopes schlug Garcia nieder, Mauricio Ruffy stoppte Michael Chandler, Bo Nickal ließ Kyle Daukaus keine Luft. Nach seinem Sieg ging Nickal direkt zu Trump, schüttelte ihm die Hand und sagte: „Ohne Sie wäre das nicht möglich gewesen.“ Trump lächelte. Es klang wie eine Huldigung.

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Noch grotesker wurde es bei Josh Hokit. Der Schwergewichtler, der beim traditionellen Wiegen am Vortag betrunken war und sich übergeben musste, gewann gegen Derrick Lewis. Danach nutzte er die Bühne für eine widerliche Verschwörungsbeleidigung gegen Michelle Obama. Hokit rief, die frühere First Lady sei ein Mann. Ein Satz aus dem tiefsten Unterkeller des rechtsradikalen Internets, herausgebrüllt auf dem Rasen des Weißen Hauses. Einspruch von Trump? Nächste Frage.

Die Entgleisung passte zu den Schattenseiten des Abends. Kurz vor Beginn kursierten Screenshots in sozialen Medien, die angeblich zeigen sollten, wie Eric Trump, der Präsidentensohn, den früheren Champion Daniel Cormier nach Insider-Informationen gefragt habe: Ob Kämpfe manipuliert seien, ob Athleten verletzt seien. Ob man Wetten abschließen könne. Eric Trump wies die Vorwürfe als gefälscht und von Künstlicher Intelligenz generiert zurück. Cormier relativierte später die Authentizität. Bewiesen ist in dem Vorgang noch nichts, aber er zeigte, wie schnell dieser Abend in die Grauzone aus Sport, Wetten, Politik und Familiengeschäft rutschte.

Dazu kam der Kryptogeruch. World Liberty Financial, das Krypto-Unternehmen mit Trump-Familienbezug, war offizieller Partner des Events und stellte einen Bonuspool für Kämpfer. Crypto.com hatte zusätzlich einen Millionenbonus ausgelobt. Kritiker sahen darin nicht bloß Sponsoring, sondern die Vermarktung privater Trump-Interessen auf staatlichem Gelände. Das Weiße Haus bestritt, was denn sonst, jeden Interessenkonflikt.

Draußen auf der Mall blieb die Stimmung trotzdem ausgelassen. Als Ruffy den Amerikaner Chandler zu Boden brachte, ging ein Stöhnen durch die Menge. „Für dein Land, Mike!“, hatte zuvor ein Mann gerufen. Nach Ruffys Sieg sagte der Brasilianer: „Jesus hat mein Leben gerettet. Gib dein Leben Jesus.“ Die Grenze zwischen Brutalo-Sport und Erweckungsversammlung war so dünn wie der Schweißfilm auf den Armen vieler Zuschauer. Als der muskulöse Franzose Ciryl Gane den Brasilianer Alex Pereira zu Hackfleisch verarbeitete, musste man kurz den Atem anhalten. Trump, der zwischendurch an der Seite von Gattin Melania einschlief, beglückwünschte auch hier den Sieger.

Es war kein klassischer Trump-Geburtstag. Eher eine Machtdemonstration ohne Ansprache. Trump musste gar nichts sagen. Der Abend sprach für sich und ihn: der Käfig vor dem Weißen Haus, die Flugzeuge, die Uniformen, die Prominenten (Mark Zuckerberg, der Boxer Tyson Fury), die Fans, die Kämpfer, die ihm mit Tritten, Schlägen und Siegesposen dankten. Washington glich für elend lange fünf Stunden einer militarisierten Pay-per-View-Arena, in der Blut spritzte. Nur dass der Hauptdarsteller am Rande saß und ausnahmsweise schwieg.

Man hätte ihn gern gefragt: Was hat das alles mit 250 Jahre Amerika zu tun? Im Top-Kampf des Abends schlug der Amerikaner Justin Gathje dem favorisierten Spanier Ilia Topuria das Gesicht zu Brei und gewann. War es das?