Ukraine setzt Angriffswelle auf russische Wildberries-Logistikzentren fort
Ukraine greift Wildberries-Logistikzentren in St. Petersburg an

Die ukrainische Armee hat in der Nacht zu Freitag ihre Angriffe auf den größten russischen Online-Händler Wildberries fortgesetzt. Betroffen waren drei Logistikzentren in St. Petersburg, dem Umland und auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Das berichtete Unternehmensgründerin Tatjana Kim auf Telegram. In sozialen Netzwerken kursierten Videos, die dichte Rauchsäulen über der Stadt zeigten; in mindestens einem Lager waren die Flammen am Morgen offenbar noch nicht gelöscht.

Angriffe auf Putins Heimatstadt

Damit wurden nun auch Wildberries-Standorte in der Heimatstadt von Machthaber Wladimir Putin getroffen, der dort früher Bürgermeister war. Bereits im Juni hatten ukrainische Drohnen zum Start des Wirtschaftsforums ein Öl-Terminal in St. Petersburg in Brand gesetzt. Nach Behördenangaben wurden bei den neuen Angriffen auf die Region Leningrad drei Menschen verletzt. Der von Moskau eingesetzte Krim-Chef Sergej Aksjonow schrieb bei Telegram von zwei Toten und fünf Verletzten infolge ukrainischer Attacken auf der Krim.

Milliardenschaden für Wildberries

Wie groß der Gesamtschaden für Wildberries ist, lässt sich nicht genau beziffern. Eine bereits Anfang der Woche veröffentlichte Schätzung geht von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro aus. Die Ukraine will mit den Attacken eigenen Angaben zufolge die russische Kriegslogistik schwächen, da über Wildberries auch kriegswichtige Waren verteilt würden. Russland bestreitet dies.

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Kalkül: Krieg stärker spürbar machen

Abgesehen davon dürfte Kiew beabsichtigen, dass russische Bürger den Krieg stärker spüren. Das Kalkül hinter den weiträumigen Luftangriffen dieses Jahres: Wer wegen der Inflation mehr zahlt, den Tank wegen zerstörter Ölraffinerien nicht füllen kann und nun auch Probleme mit Internetbestellungen bekommt, macht Putin dafür verantwortlich – so die Hoffnung. Viele russische Kunden bestellen Alltagswaren bei Händlern, die Wildberries als Plattform nutzen. In sozialen Netzwerken waren Videos zu sehen, die bestürzte Händler zeigen sollen, deren Ware zerstört wurde.

Bingo-Karte mit Wildberries-Standorten

Im Internet macht eine Bingo-Karte mit russischen Wildberries-Standorten die Runde, die auch vom Kriegsblogger-Kanal MAKS 26 geteilt wird. Darauf sind 20 Lagerhäuser abgebildet, auf acht sind Schäden verzeichnet, zwölf sind noch offen. Ob alle Schadensmeldungen zutreffen, ließ sich nicht unabhängig verifizieren; dass Wildberries mehrfach getroffen wurde, ist jedoch Fakt.

Rechtliche Bewertung der Angriffe

Mehrere Wildberries-Mitarbeiter kamen bei den Attacken bereits ums Leben. Kann ein ziviles Lagerhaus zu einem rechtmäßigen militärischen Ziel werden? Michael N. Schmitt, Professor für internationales Recht an der University of Reading, erklärte der „New York Times“: Das sei möglich, wenn das Lagerhaus für militärische Zwecke genutzt oder dafür vorbereitet werde. Allerdings müssten Kriegsparteien genau berücksichtigen, welche Art von Material sich im Inneren befinde, sich über die künftige militärische Nutzung hohe Gewissheit verschaffen und Schäden für Zivilisten mindern.

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