Ukraine setzt Angriffe auf russisches Amazon Wildberries fort – acht Lager getroffen
Ukraine trifft acht Wildberries-Lager – kein Ende in Sicht

Die ukrainische Armee hat in der Nacht zu Freitag ihre Angriffe auf den größten russischen Online-Händler Wildberries fortgesetzt. Betroffen waren drei Logistikzentren in St. Petersburg, dem Umland und auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Das berichtete Unternehmensgründerin Tatjana Kim auf Telegram. Ein in sozialen Netzwerken verbreitetes Video deutet darauf hin, dass die Flammen in mindestens einem der Lager am Morgen noch nicht gelöscht waren.

Angriffe auf Putins Heimatstadt

Damit wurden nun auch Wildberries-Standorte in der Heimatstadt von Machthaber Wladimir Putin getroffen, der dort früher Bürgermeister war. Die Stadtbewohner bekamen den von Russland begonnenen Krieg bereits im Juni zu spüren, als ukrainische Drohnen zum Start des Wirtschaftsforums ein Öl-Terminal in Brand setzten. Laut Behördenangaben wurden drei Menschen bei den neuen Angriffen auf die Region Leningrad verletzt. Der von Moskau eingesetzte Krim-Chef Sergej Aksjonow schrieb bei Telegram von zwei Toten infolge ukrainischer Attacken; fünf Menschen seien verletzt worden.

Bereits acht Wildberries-Lager getroffen

Seit dem 18. Juli sind inzwischen acht Wildberries-Lager attackiert worden. Wie groß der Gesamtschaden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Eine bereits Anfang der Woche veröffentlichte Schätzung geht von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro aus. Die Ukraine will mit den Attacken auf Wildberries eigenen Angaben zufolge die russische Kriegslogistik schwächen, da über Wildberries auch kriegswichtige Waren verteilt würden – ein Vorwurf, den Russland dementiert.

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Das ukrainische Kalkül

Davon abgesehen dürfte Kyjiw beabsichtigen, dass russische Bürger den Krieg stärker spüren. Das offensichtliche Kalkül hinter den weiträumigen, nicht allein gegen Wildberries gerichteten Luftangriffen dieses Jahres: Wer wegen der Inflation mehr zahlt, den Tank wegen zerstörter Ölraffinerien nicht füllen kann und jetzt auch noch Probleme mit Internetbestellungen bekommt, macht schließlich Putin dafür verantwortlich – so die Hoffnung.

Zusammen mit kleineren Konkurrenten verkaufen Wildberries und der Hauptkonkurrent Ozon Waren und Dienstleistungen im Wert von umgerechnet 8,5 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts. Sie beschäftigen vier Millionen Menschen, das entspricht mehr als fünf Prozent der Erwerbsbevölkerung Russlands. Viele russische Kunden bestellen Alltagswaren auch bei Händlern, die Wildberries nur als Plattform nutzen, dort jedoch nicht angestellt sind. In sozialen Netzwerken waren Videos zu sehen, die bestürzte Händler zeigen sollen, deren Ware zerstört worden sei.

Wildberries als Bingo-Spiel

Im Internet macht eine Bingo-Karte mit russischen Wildberries-Standorten die Runde, die auch vom Kriegsblogger-Kanal MAKS 26 geteilt wird. Darauf sind 20 Lagerhäuser abgebildet, auf acht davon sind Schäden verzeichnet. Zwölf sind demnach noch offen. Ob alle diese Schadensmeldungen wie abgebildet zutreffen, ließ sich nicht unabhängig verifizieren.

Darf die Ukraine die Lagerhäuser angreifen?

Mehrere Wildberries-Mitarbeiter kamen bei den Attacken bereits zu Tode. Kann eine zivile Einrichtung wie ein Lagerhaus zu einem rechtmäßigen militärischen Ziel werden? Michael N. Schmitt, Professor für internationales Recht an der englischen University of Reading, gab der „New York Times“ dazu Auskunft. Demnach sei das möglich, wenn das Lagerhaus für militärische Zwecke genutzt oder dafür vorbereitet werde. Allerdings müssten Kriegsparteien genau berücksichtigen, welche Art von Material sich im Inneren befinde. Ferner müssten sie sich über die künftige militärische Nutzung des Standorts ein hohes Maß an Gewissheit verschaffen – und Anstrengungen unternehmen, um Schäden für Zivilisten zu mindern.

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