Rund zweieinhalb Monate nach dem Regierungswechsel in Ungarn hat Umweltminister Laszlo Gajdos eine Untersuchung zu möglicher illegaler Haltung von Zebras auf dem Anwesen der Familie des früheren Premierministers Viktor Orbán angekündigt. Gajdos sprach von „verantwortungslosen“ Zuständen und „völligem Chaos“ bei den offiziellen Dokumenten.
Zebras auf dem Anwesen Hatvanpuszta
Die Zebras waren Ende 2024 in der Nähe des prunkvollen Anwesens namens Hatvanpuszta nahe der Stadt Bicske westlich von Budapest gefilmt worden. Das Anwesen gehört formal Orbáns Vater, die Tiere sind im Besitz der Jagdgesellschaft von Lorinc Meszaros, einem der reichsten Menschen Ungarns und engen Vertrauten Viktor Orbáns.
Für die meisten der 17 Tiere gebe es keinen Herkunftsnachweis, erklärte Gajdos. Die meisten Dokumente seien nachträglich erstellt worden. Ein Tier sei im Winter mit zwei anderen ausgebrochen und erfroren. „Das lassen wir nicht durchgehen!“, sagte der Minister, der früher selbst Tierpfleger war, und kündigte eine „umfassende Untersuchung“ an.
Proteste mit Zebra-Motiven
Nach den Aufnahmen tauchten Zebra-Motive immer wieder bei regierungskritischen Protesten in Ungarn auf, die sich unter anderem gegen Korruption richteten. Die Jagdgesellschaft hatte im vergangenen Jahr erklärt, die Tiere würden gemäß den geltenden Vorschriften gehalten und verfüge über alle nötigen Genehmigungen. Die Tiere seien zuvor schlecht gehalten und dann gerettet worden.
Politischer Hintergrund
Orbáns Fidesz-Partei wurde im April abgewählt. Der proeuropäische Konservative Péter Magyar eroberte mit seiner Tisza-Partei eine Zweidrittelmehrheit im Parlament und wurde Anfang Mai als Ministerpräsident vereidigt. Seine Regierung hat zahlreiche Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung verabschiedet. Magyar sagte dem SPIEGEL: „Unsere Heimat war ein gekaperter Staat.“



