USA und Iran vor neuer Vereinbarung
Zwischen den USA und dem Iran steht offenbar der Abschluss einer neuen Vereinbarung bevor. Ein mögliches Abkommen könnte positive Folgen für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher haben, insbesondere bei den Spritpreisen. Diese waren nach dem Iran-Krieg sprunghaft angestiegen. Nun könnten sie sinken, jedoch nicht sofort.
Energieökonomin Kemfert: Preiseffekte verzögert
Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erklärte gegenüber dieser Redaktion: „Ein mögliches neues USA-Iran-Abkommen könnte die Ölpreise kurzfristig etwas dämpfen, vor allem wenn die Risikoprämien rund um die Straße von Hormus sinken.“ Sie fügte hinzu: „Das kann sich auch bei Benzin, Diesel oder Heizöl bemerkbar machen, allerdings meist verzögert und nicht eins zu eins.“ Grundsätzlich gelte dies auch für Gas und Flüssigerdgas (LNG) oder andere Energieträger. „Weniger geopolitische Unsicherheit kann die Märkte beruhigen. Ein dauerhafter Preisrutsch ist aber nicht zu erwarten, solange Details, Sanktionen und Umsetzung offen sind“, dämpfte Kemfert zu hohe Erwartungen. Sie warnte gleichzeitig vor einem „energiepolitischen Kurzschluss, daraus neue fossile Sicherheit abzuleiten“. „Öl und Gas bleiben geopolitisch verwundbar. Wirkliche Preissicherheit schaffen nur Erneuerbare, Speicher und Effizienz“, sagte sie.
Auswirkungen auf Inflation und Konjunktur
Nach Bekanntwerden der in Aussicht stehenden Einigung zwischen den Kriegsparteien waren die Ölpreise zunächst etwas gesunken. Der Konflikt zwischen den USA, dem Iran und Israel schwelt seit Ende Februar. In Deutschland waren die Spritpreise daraufhin massiv gestiegen. Die Bundesregierung reagierte mit dem sogenannten Tankrabatt, der Ende dieses Monats allerdings ausläuft. Im Zuge der Auseinandersetzung hatte auch die allgemeine Inflation in Deutschland zugenommen. Um die steigenden Preise in den Griff zu bekommen, hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt erstmals seit fast drei Jahren den Leitzins erhöht. Ein dauerhafter Frieden würde sich dabei auch positiv auf die Konjunktur in Europa auswirken, glaubt der Chef des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest. Er sagte dieser Redaktion: „Die sinkende Inflation wird es der EZB erlauben, von weiteren Zinserhöhungen abzusehen, und die Probleme bei der Versorgung mit Vorprodukten werden sich entspannen. Im dritten Quartal werden die Effekte des Konflikts noch spürbar sein, im vierten Quartal dürfte die Lage sich spürbar verbessern.“
Börsen reagieren verhalten
Und auch die Börsen reagierten zunächst positiv auf ein mögliches Abkommen. Christian Röhl, Börsenexperte und Chefvolkswirt bei der Investment-Plattform Scalable Capital, warnte allerdings vor allzu großem Optimismus: „Wir haben ja im Nachgang zur Pandemie gelernt: Lieferströme können schnell abreißen, aber die Rekalibrierung braucht Zeit“, so Röhl gegenüber dieser Redaktion. Zumal ja doch einige Raffinerien am Golf wohl so beschädigt seien, dass der Wiederaufbau der vollen Kapazität Zeit benötigen werde. Mit Blick auf die USA und die dortige Inflation stellt sich für Röhl zudem die Frage, ob der Anstieg wirklich nur aus dem Iran-Krieg resultiere oder ob die Wirtschaft nicht vor allem durch die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz etwas überhitzt sei. Denkbar sei deshalb, dass höhere Preise jenseits des Atlantiks noch länger ein Thema blieben. Und auch wenn jetzt zunächst Aktienkurse zulegten, könne es auch wieder nach unten gehen: „Gut möglich, dass es nach der ersten Erleichterung auch mal Gewinnmitnahmen gibt – zumal der Sommer ja ohnehin oft etwas ruhiger verläuft“, sagte Röhl. Ein „Sell on Good News“ wäre zumindest keine Überraschung, so der Börsenkenner.



