Schwere Erdbeben in Venezuela: Pistorius bietet Bundeswehrhilfe an
Venezuela: Pistorius bietet Bundeswehrhilfe nach Beben an

Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der Übergangsregierung in Caracas die Unterstützung der Bundeswehr angeboten. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sollen bis zu sechs Transportflugzeuge der Luftwaffe Personal und Material des Technischen Hilfswerks (THW) nach Venezuela fliegen und innerhalb des Landes Transportflüge ermöglichen. „Ich danke allen Soldatinnen und Soldaten, die sich jetzt bereits auf diesen Einsatz vorbereiten. Auf die Bundeswehr ist Verlass“, wird Pistorius zitiert.

Mindestens 32 Tote und Hunderte Verletzte

Bei den zwei schweren Erdbeben am Mittwochabend (Ortszeit) kamen nach ersten offiziellen Angaben mindestens 32 Menschen ums Leben, rund 700 wurden verletzt. Das bestätigte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez in einer landesweiten Ansprache. Sie sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“ und rief den Notstand aus. Die Beben der Stärken 7,2 und 7,5 erschütterten den Norden und das Zentrum Venezuelas, in der Hauptstadt Caracas stürzten mehrere Gebäude ein. Die US-Erdbebenwarte USGS gab an, dass zwischen den beiden Erschütterungen nur 39 Sekunden lagen. Das erste Beben ereignete sich um 18:04 Uhr Ortszeit (00:04 MESZ) 24 Kilometer östlich von San Felipe in 21,9 Kilometern Tiefe, das zweite, stärkere nur wenige Kilometer nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe, was die Zerstörungskraft erhöhte.

Rettungsarbeiten und Notstand

Präsidentin Rodríguez erklärte, die Rettungsarbeiten hätten oberste Priorität. Der Schulunterricht wurde ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt. Auch der internationale Flughafen von Caracas stellte wegen Schäden den Betrieb ein. Das Parlament sagte seine für Donnerstag geplante Sitzung ab. Innenminister Diosdado Cabello bestätigte im staatlichen Fernsehen den Einsturz mehrerer Gebäude und Wohnhäuser in der Hauptstadt. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei seien alarmiert und kümmerten sich mit allen verfügbaren Mitteln um die Lage. Bürgermeister Gustavo Duque aus dem Hauptstadtbezirk Chacao berichtete, allein aus einem Haus seien 18 Überlebende gerettet worden. Er rief die Bevölkerung auf, wegen möglicher Nachbeben auf öffentlichen Plätzen Schutz zu suchen. Im Küstenbundesstaat Falcon gab es nach Angaben von Gouverneur Victor Clark 22 Verletzte, zudem würden 15 Erwachsene vermisst. In Krankenhäusern wie dem Hospital de Clinicas in Caracas wurde das Personal für die Nachtschicht verdoppelt, um die Verletzten zu versorgen.

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Internationale Hilfe und Reaktionen

Die USA kündigten die sofortige Entsendung von Rettungskräften an. Außenminister Marco Rubio schrieb auf X: „Amerika steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des venezolanischen Volkes.“ Auf Anweisung von Präsident Donald Trump würden Such- und Rettungsmannschaften, medizinische Ressourcen und humanitäre Hilfe entsandt. Trump selbst äußerte sich auf Truth Social: „Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein“ und „Die ersten Berichte sind nicht gut!!!“ Auch der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, bot 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter an. Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte, spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Brasilien signalisierte ebenfalls Hilfsbereitschaft. Rodríguez zufolge boten auch andere Staaten Hilfe an. Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado schrieb auf X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen.“

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Betroffenheit und Schäden

Die Erdbeben ereigneten sich an einem gesetzlichen Feiertag zur Unabhängigkeit des Landes, weshalb sich viele Venezolaner in ihren Häusern aufhielten. In Caracas, das zuletzt 1967 von einem verheerenden Beben heimgesucht worden war, flohen die Menschen in Panik auf die Straßen. Eine 57-jährige Anwohnerin berichtete der Deutschen Presse-Agentur: „Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt, es war fürchterlich. Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände.“ In ihrer Wohnung seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst nicht aus dem Zimmer gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie schließlich auf die Straße gerannt. Zwei Anwohner hätten aus dem Aufzug befreit werden müssen. Nach den Beben sei stundenlang der Strom ausgefallen, auch das Mobilfunknetz habe nicht funktioniert. In Caracas stürzten in einem Krankenhaus Deckenplatten herab. In sozialen Medien kursierten unbestätigte Videos von schweren Schäden am Hauptflughafen und eingestürzten Gebäuden in der Küstenstadt La Guaira.

Seismischer Hintergrund und Warnungen

Venezuela liegt in einer seismisch aktiven Zone, in der die Karibische und die Südamerikanische Erdplatte aufeinandertreffen. Nach Angaben der USGS kamen im März 1812 bei einem schweren Erdbeben in Mérida und Caracas schätzungsweise 30.000 Menschen ums Leben. Das US-Tsunami-Warnzentrum gab zunächst eine Warnung für Puerto Rico, die Jungferninseln sowie die venezolanischen Küsteninseln Aruba, Curaçao und Bonaire heraus, hob diese jedoch nach etwa einer Stunde wieder auf. Innenminister Cabello warnte vor Nachbeben, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten. Um Explosionen zu verhindern, ordneten die Behörden an, die Gaszufuhr zu unterbrechen. Die automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte, basierend auf der Stärke der Beben und der Nähe zu Städten, legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe. Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten.