Verschleppte Deutsche seit fünf Monaten in syrischer Haft
Verschleppte Deutsche: Fünf Monate in syrischer Haft

Seit fünf Monaten wird Eva Maria Michelmann in Syrien festgehalten. Die Kölnerin wurde aus Rakka verschleppt und sitzt nun in einem Gefängnis in Damaskus. An diesem Mittwoch wollen Angehörige und Unterstützer vor dem Auswärtigen Amt in Berlin demonstrieren. Sie bezweifeln, dass die Bundesregierung maximalen Druck auf Syriens neues Regime ausübt.

Hintergrund der Festnahme

Michelmann hielt sich in der von der kurdischen Autonomieverwaltung kontrollierten Region auf, als Truppen des syrischen Herrschers Ahmed al-Scharaa diese eroberten und die Deutsche sowie einen türkischen Begleiter verschleppten. Beide waren für Nachrichtenportale tätig. Trotz wiederholter Besuche von Vertretern der deutschen Botschaft in Damaskus und der Thematisierung ihres Falls durch Kanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem Treffen mit al-Scharaa im März in Berlin bleibt unklar, was Syriens überwiegend islamistische Regierung der inhaftierten Frau vorwirft. Das Auswärtige Amt teilte mit, darüber öffentlich nicht informieren zu können.

Vorwürfe gegen die Bundesregierung

Im Mai gaben der Anwalt der freien Journalistin und gelernten Sozialarbeiterin sowie ihre Familie eine Pressekonferenz. Sie warfen der Bundesregierung mangelnden Einsatz vor. Der Tenor lautete: Wäre Michelmanns Fall endlich „Chefsache“, säße die Verschleppte wohl bald in einem Flugzeug in ihre Heimat.

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Druckmittel in der Kurdenfrage

Syriens neues Regime ordnet politisch vieles der Kurdenfrage unter, ähnlich wie die Türkei. Die von einer säkularen Kurdenpartei dominierte Autonomieregion in Nordsyrien soll nach dem Willen von Staatschef al-Scharaa von der arabisch dominierten Zentralregierung kontrolliert werden. Bei Kämpfen zwischen der prokurdischen SDF und regierungstreuen Islamisten sowie der syrischen Armee starben im vergangenen Winter wohl Hunderte Menschen. Zudem befinden sich seitdem zahlreiche Kurden in Haft. Deutsche Beobachter gehen davon aus, dass das Regime in Syrien die Gefangenen, darunter ausländische Staatsbürger wie Michelmann, als Druckmittel nutzt, um die internationale Unterstützung für die kurdische Selbstverwaltung zu untergraben.

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