Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat deutsche Unternehmen eindringlich aufgefordert, die wirtschaftlichen Chancen in Nigeria zu nutzen – trotz einer gravierenden Sicherheitslage, die im Jahr 2025 fast 13.000 Todesopfer forderte. Bei einem Treffen mit seiner nigerianischen Amtskollegin Bianca Odumegwu-Ojukwu in Abuja sagte Wadephul: „Ich bin guter Dinge, dass wir gemeinsam mit den Polizeibehörden hier im Land für eine ausreichende Sicherheitslage sorgen können und dass ein wirtschaftliches Engagement dadurch nicht eingeschränkt ist. Ich ermutige ausdrücklich deutsche Unternehmen, sich hier zu betätigen.“
Wirtschaftspotenzial contra Sicherheitsrisiken
Nigeria sei eine schnell wachsende Wirtschaft mit einer jungen Bevölkerung und verfüge über wichtige Ressourcen für Deutschland, so Wadephul. Diese Chancen zu ignorieren „wäre grob fahrlässig“. Bereits mehr als 100 deutsche Unternehmen seien in dem westafrikanischen Land aktiv, das Deutschlands zweitgrößter Handelspartner in Subsahara-Afrika darstellt. Deutschland bleibe entschlossen, Sicherheit, Stabilisierung, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen, betonte der Außenminister.
Nigerias Außenministerin Odumegwu-Ojukwu hob hervor, dass ihr Land Wirtschaftsreformen vorangetrieben habe, um das Investitionsklima zu verbessern. Sie hoffe auf verstärkte Zusammenarbeit in zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Nigeria ist mit über 240 Millionen Einwohnern Afrikas bevölkerungsreichster Staat und eine seiner größten Volkswirtschaften.
Sicherheitskräfte überdehnt – Tausende Tote jährlich
Die Sicherheitskräfte Nigerias sind angesichts multipler Krisen landesweit überdehnt. Neben örtlichen islamistischen Terrormilizen wie der berüchtigten Boko Haram und anderen bewaffneten Banden breiten sich auch Terrorgruppen aus den benachbarten Sahel-Staaten aus. Die Konfliktdatenorganisation Acled verzeichnete für 2025 in Nigeria fast 13.000 Tote durch Gewalt, darunter mindestens rund 5.000 Zivilisten.
Tausende Menschen werden jährlich entführt, zumeist um Lösegeld zu erpressen. Rund 3,7 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben innerhalb des Landes auf der Flucht. Seit Anfang 2026 sind etwa 200 US-Soldaten in Nigeria stationiert, um die nigerianischen Streitkräfte auszubilden und mit Überwachung zu unterstützen.
Wadephul: Sicherheit und Wirtschaft kein Widerspruch
Trotz der prekären Lage zeigte sich Wadephul optimistisch, dass deutsche Firmen in Nigeria sicher agieren könnten. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Polizeibehörden solle für ausreichende Sicherheit sorgen. Der Appell des Außenministers kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu afrikanischen Ländern ausbauen will.



