Watzke über Merz: „Ich werde dich jetzt nicht mehr anrufen“
Watzke über Merz: „Ich werde dich nicht mehr anrufen“

Im Podcast-Interview mit BILD-Vize Paul Ronzheimer hat BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke (66) über seine langjährige Freundschaft mit Bundeskanzler Friedrich Merz gesprochen. Der Fußball-Funktionär, der seit Jahrzehnten CDU-Mitglied ist, gewährte tiefe Einblicke in die Beziehung zu seinem Jugendfreund und analysierte die aktuelle politische Lage.

„Friedrich war immer schon sehr selbstbewusst“

Watzke erinnerte sich an ihr erstes Kennenlernen in der Jungen Union: „Ich habe mit 16, 17 Jahren das erste Mal so in die Junge Union reingeschnuppert. Da war er dann schon über 20. Er war nah zwei Meter groß und so hatte ich immer das Gefühl, dass er den anderen überlegen war, weil er das einfach auch ein bisschen ausgestrahlt hat.“

Über den jungen Merz sagte Watzke: „Friedrich war immer schon sehr selbstbewusst, immer schon rhetorisch sehr stark. Er hat auch damals immer schon in jungen Jahren – natürlich noch viel mehr als heute – zugespitzt formuliert. Damals wurde das aber noch mehr goutiert als heute. Heute wird ja versucht, aus jeder Zuspitzung, die du einmal gemacht hast, dir sofort einen Strick zu drehen.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Polarisierung des Kanzlers erklärte Watzke so: „Der typische Sauerländer meint das so, wie er es sagt, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, wie es dann beim Rest der Bevölkerung ankommt. Und das hat mir bei ihm immer sehr imponiert und das (...) fällt ihm auf die Füße, weil er das einfach so beibehalten hat.“

Freundschaft und Kanzlerschaft

Watzke betonte, dass die Freundschaft nicht so eng sei, wie oft dargestellt: „Das ist nicht so eng, wie das vielleicht in der Öffentlichkeit dargestellt wird, dass wir jeden zweiten Tag miteinander telefonieren. Aber wir haben eben seit knapp 50 Jahren ein sehr belastbares Verhältnis, weil wir aus Nachbargemeinden kommen, weil unsere Väter schon gemeinsam Politik gemacht haben.“

Als Merz Kanzler wurde, änderte sich der Kontakt: „Als er Bundeskanzler wurde, habe ich ihm gesagt: Friedrich, ich werde dich jetzt nicht mehr anrufen. Ich weiß, was das für ein Mörderjob ist. Das ist der schlimmste Job für mich, den man in Deutschland zu vergeben hat (...). Und also, wenn irgendwie Kontakt gewünscht wird, dann musst du ihn herstellen, ich habe zu viel Respekt vor diesem Amt.“

Bewertung von Merz und der CDU

Zu Merz’ schlechten Beliebtheitswerten meinte Watzke: „Manchmal ist das auch irrational. Ich zum Beispiel wundere mich immer darüber, was der Boris Pistorius für Werte hat, obwohl ich den eigentlich gar nicht so wahrnehme. (...) Vielleicht hat Friedrich auch das Problem mit seinen 1,98 – da wirkst du natürlich grundsätzlich ein bisschen von oben herab.“

Die größte Stärke von Merz sieht Watzke in dessen analytischer und authentischer Art, „aber dass er vielleicht manchmal mit dem Zeitgeist kollidiert.“

Das Verhältnis zwischen Merz und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst beschrieb Watzke als „durchaus in Ordnung“. „Ich habe noch nie erlebt, dass Hendrik im Kleineren oder auch im Privaten gegen Friedrich Merz gestänkert hätte.“

Zur CDU sagte Watzke: „Wenn du das ein bisschen analytisch verfolgt hast, dann wusstest du, die CDU ist jetzt auf Gedeih und Verderb an die SPD gekettet. Und das Unglückliche daran ist auch noch, dass die SPD das natürlich auch gemerkt hat. (...) Und die haben das natürlich ausgenutzt.“

Ob Merz der Richtige für Reformen sei, bejahte Watzke: „Ja, hundertprozentig. Ich glaube, dass er die Erfahrung hat und auch das Know-how hat. Aber am Ende des Tages müssen da auch andere mitmachen.“

Debattenkultur und Migration

Watzke kritisierte die deutsche Debattenkultur: „Es ist ja immer so in Deutschland, dass ein bestimmter Teil der Bevölkerung von der linken Seite per Dogma verkündet, dass bestimmte Sachen nicht gesagt werden dürfen.“ Er bezog sich auf das Stadtbild und meinte: „Jeder, der mit offenen Augen mal durch die Städte läuft, der sieht, dass es sich verändert hat. Und wer das nicht sieht, der will es nicht sehen.“

Zur Migration sagte er: „Jetzt haben wir einfach eine Situation, dass viele einfach das Gefühl haben, dass sie ihre Kultur verteidigen müssen (...). Ich bin kein Migrationsforscher. Ich weiß aber, dass es da ein Störgefühl gibt. Und dieses Störgefühl, das kommt der AfD zugute.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Eigene Fehler

Abschließend räumte Watzke eigene Fehler in der Corona-Pandemie ein: „Diejenigen, die nicht bereit waren, sich impfen zu lassen, die waren schon einem sehr starken sozialen Druck ausgesetzt. Ich muss ganz ehrlich sagen, da mache ich auch Mea Culpa. (...) Vielleicht war ich da auch ein bisschen übergriffig.“