Trumps Versprechen und die Realität
Seit der spektakulären Entführung von Venezuelas Diktator Nicolás Maduro durch US-Kommandos im Januar 2026 hat Washington die Kontrolle über die Öleinnahmen des südamerikanischen Landes übernommen. Präsident Donald Trump versprach damals per Dekret, die Gelder treuhänderisch zu verwalten – zum Wohle des venezolanischen und amerikanischen Volkes. Doch ein halbes Jahr später ist das Geld verschwunden: Mindestens 13 Milliarden Dollar sind auf mysteriöse Weise verpufft, während die Opfer des verheerenden Erdbebens in Caracas jeden Cent dringend benötigen.
Die US-Regierung erlaubte US-Firmen kurz nach Maduros Gefangennahme wieder, venezolanisches Öl zu exportieren – die Einnahmen müssen auf ein Konto unter Aufsicht des US-Finanzministeriums fließen. Das State Department beteuert: „Wir werden sicherstellen, dass diese Gelder transparent und zum Wohle des venezolanischen Volkes verwendet werden.“ Doch weder die venezolanische Übergangsregierung noch internationale Beobachter wissen, wo die Milliarden geblieben sind.
Milliarden ohne Transparenz
Die britische „Financial Times“ hat anhand von Schiffsdaten berechnet, dass allein bis Juli 2026 Ölexporte im Wert von über 13 Milliarden Dollar aus Venezuela verschifft wurden. Der venezolanische Ex-Oppositionspolitiker José Guerra klagt: „Wo ist das Geld? Es gibt keine Transparenz, und die US-Regierung informiert uns nicht.“ Die von Trump eingesetzte Interimspräsidentin Delcy Rodríguez, zuvor Maduros Vizepräsidentin, richtete eine Webseite zur Dokumentation der Ölverkäufe ein – doch dort findet sich bislang nur ein Eintrag über 300 Millionen Dollar vom 13. März.
Selbst unter Maduro waren die Venezolaner an Korruption gewöhnt: Laut der „New York Times“ verschlang der Maduro-Clan in den Jahren 2021 und 2022 rund die Hälfte der Petrodollars. Unter US-Aufsicht sollte das anders laufen – doch das Gegenteil ist der Fall. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG wurden beauftragt, die Konten zu überwachen, doch ein offizieller Bericht liegt nicht vor. Ein hochrangiger US-Diplomat gab im April vage an, etwa drei Milliarden Dollar seien nach Caracas überwiesen worden – der Rest bleibt unerklärt.
Katastrophe in Caracas
Das Geld wird in Venezuela dringender denn je gebraucht: Beim Erdbeben im Juni starben über 5000 Menschen, Hunderttausende haben kein Dach über dem Kopf. Die Weltbank schätzt die unmittelbaren Sachschäden auf 20 Milliarden Dollar, die UNO rechnet mit Wiederaufbaukosten von 37 Milliarden Dollar allein für Gebäude und Infrastruktur. Statt eines erhofften Booms nach Maduros Sturz liegt das Wirtschaftswachstum auf dem niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren. Ein venezolanischer Wirtschaftsexperte sagt der „FT“: „Venezuela ist im ersten Quartal trotz gestiegener Öleinnahmen wahrscheinlich nicht schneller gewachsen, weil die USA der Regierung nicht die gesamten zusätzlichen Einnahmen überwiesen haben.“
Rubio als Vizekönig
De facto kontrolliert US-Außenminister Marco Rubio Venezuelas Staatsfinanzen. Die „New York Times“ bezeichnet ihn hinter vorgehaltener Hand als „Vizekönig“ – in Anspielung auf die spanischen Kolonialverwalter. Trumps Administration hält die Gelder zurück, wohl als Druckmittel gegen die eigene Marionettenregierung in Caracas. Ironischerweise profitiert Präsidentin Rodríguez davon: Sie genießt diplomatische Anerkennung und Schutz vor Gläubigern, während sie sich als Verteidigerin Venezuelas gegen US-Ausbeutung präsentiert – obwohl sie als Maduros rechte Hand am Niedergang des Landes beteiligt war. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist vor Hyperinflation, Hunger und Wirtschaftskollaps geflohen.
Der demokratische Abgeordnete Joaquin Castro wirft der Trump-Regierung vor: „Trumps Invasion von Venezuela war von Anfang an ein Spiel um Öl, Macht und Selbstbereicherung. Milliarden an venezolanischen Öleinnahmen werden ohne Kontrolle oder Transparenz verwaltet.“ Die Frage bleibt: Werden die Erdbebenopfer jemals einen Dollar dieses Geldes sehen?



