Mit Drohnen nimmt Kiew zunehmend Russlands Versorgungsrouten in der Ukraine unter Feuer. Nun sorgt ein russischer Militärlaster mit einem ungewöhnlichen Anstrich im Netz für Aufmerksamkeit. Das Schwarz-Weiß-Muster erinnert an Blendtarnung aus dem Ersten Weltkrieg.
Neue Tarnung gegen KI-Drohnen
Russische Truppen in der Ukraine greifen laut Medienberichten auf einen neuen Tarnanstrich zurück, um ihre Fahrzeuge vor Drohnen mit KI-gestützter Zielerkennung zu schützen. Hintergrund ist ein Foto eines russischen Militärlastwagens vom Typ KamAZ, das der ukrainische Monitoring-Kanal Exilenova+ auf Telegram veröffentlicht hat.
Das Versorgungsfahrzeug hat einen ungewöhnlichen Schwarz-Weiß-Anstrich in Zebra-Optik, der laut dem Portal Defense Express an die sogenannte Blendtarnung (Dazzle-Camouflage) erinnert. Das Muster aus kontrastierenden geometrischen Streifen soll die Konturen des Fahrzeugs aufbrechen und dessen Erkennung erschweren. Wann und wo das Foto aufgenommen wurde, ist bislang unklar. Auch wie verbreitet dieser Tarnanstrich bei russischen Logistikeinheiten ist, ist nicht bekannt.
Historischer Hintergrund der Blendtarnung
Blendtarnungen kamen vor allem auf Kriegsschiffen im Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Ihr Ziel war es nicht, Schiffe unsichtbar zu machen, sondern gegnerischen Beobachtern die Einschätzung von Kurs, Geschwindigkeit und Entfernung zu erschweren. Die auffälligen geometrischen Muster verzerrten optische Eindrücke und erschwerten so die Feuerleitung. Mit der Verbreitung von Radar und anderen elektronischen Ortungsverfahren verlor das Verfahren im Verlauf des Zweiten Weltkriegs weitgehend an Bedeutung.
Wirksamkeit gegenüber moderner Technik
Ob der Tarnanstrich etwas bewirkt, ist unklar. Laut Defense Express funktionieren moderne Bildverarbeitungssysteme anders als optische Entfernungsmesser, gegen deren Einsatz die Blendtarnung ursprünglich entwickelt wurde. KI-unterstützte Zielerkennungssysteme würden sich nicht auf dieselben visuellen Messungen von Entfernung und Bewegung stützen, wie sie von Feuerleitsystemen der Marine zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet wurden. Zudem würden Wärmebildsensoren, die zunehmend bei Aufklärungs- und Angriffsdrohnen zum Einsatz kommen, von der äußeren Lackierung eines Fahrzeugs unbeeindruckt bleiben.
Ukrainische Drohnenoffensive gegen russische Logistik
Seit mehreren Wochen greifen ukrainische Drohnen russische Versorgungswege tief im besetzten Hinterland an. Für Angriffe auf Moskaus Logistik in Entfernungen von bis zu 150 Kilometern hinter der Front soll Berichten zufolge die Drohne Hornet eingesetzt werden. Das System des US-Unternehmens Swift Beat zeichnet sich laut Defense Express durch einen hohen Grad an Autonomie aus. Möglich werden soll dies durch Algorithmen zur Zielerkennung und Zielverfolgung sowie durch visuelle Navigation, die auch bei gestörter Satellitennavigation eine Orientierung erlaubt. Kiew hatte im Sommer 2025 einen Kooperationsvertrag mit dem Entwickler abgeschlossen.
Die Ukraine weitet ihre Todeszone für russische Nachschublinien kontinuierlich aus. Russlands Autobahn-Problem wirkt sich zunehmend auf die Front aus, da die Versorgung der Truppen erschwert wird. Die neue Zebra-Tarnung könnte ein Versuch sein, dieser Bedrohung entgegenzuwirken, doch Experten bezweifeln den Nutzen gegen moderne KI- und Wärmebildsysteme.



