Die deutschen Arbeitgeber fordern ein Ende der abschlagsfreien Frührente für besonders langjährig Versicherte. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung BDA, bezeichnete die Regelung als „teuren Irrweg“, den sich der Sozialstaat angesichts des demografischen Wandels nicht mehr leisten könne. Er reagierte damit auf Berechnungen, wonach eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren den Staatshaushalt um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlasten könnte.
Studie zeigt Beschäftigungspotenzial
Laut einer Kalkulation des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) würde die Abschaffung ein Beschäftigungspotenzial von 125.000 Vollzeitkräften bedeuten. Jährlich nutzen zwischen 250.000 und 280.000 Erwerbstätige die Möglichkeit, nach mindestens 45 Beitragsjahren vorzeitig ohne Abschläge in Rente zu gehen, so die Bertelsmann Stiftung.
Kampeter kritisierte: „Während Fachkräfte fehlen, müssen die Beitragszahler mit der sogenannten ‚Rente ab 63‘ weiterhin den vorzeitigen Ausstieg erfahrener Beschäftigter aus dem Arbeitsmarkt finanzieren – das ist das falsche Signal zur falschen Zeit.“ Wer die Rentenversicherung stabilisieren, Beitragszahler entlasten und Wachstum sichern wolle, komme an der Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung nicht vorbei.
SPD verteidigt die Regelung
Auch aus der Union kommen seit längerem Forderungen, die abschlagsfreie Frührente im Zuge geplanter Reformen abzuschaffen. Die SPD lehnt dies jedoch entschieden ab. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt betonte: „Viele Menschen können schlicht nicht bis ins hohe Alter weiterarbeiten, gerade in körperlich oder psychisch belastenden Berufen und bei gesundheitlichen Einschränkungen.“ Eine Abschaffung würde diese Menschen besonders hart treffen. Es gehe nicht um Privilegien, sondern um Gerechtigkeit nach einem langen Arbeitsleben.
Die Diskussion um die abschlagsfreie Frührente bleibt damit ein zentraler Streitpunkt in der Rentenpolitik. Während die Arbeitgeber auf Einsparungen und Fachkräftesicherung pochen, betont die SPD den sozialen Ausgleich und den Schutz von Arbeitnehmern in belastenden Berufen.



