Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat ARD und ZDF vorgeworfen, die Partei in politischen Talkshows zu benachteiligen. In einem Beschwerdebrief an die öffentlich-rechtlichen Sender kritisieren die Parteivorsitzenden Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali die Einladungspraxis und fordern eine stärkere Berücksichtigung von BSW-Vertretern.
BSW sieht Millionen Wähler ignoriert
Das BSW argumentiert, dass andere Parteien im Vergleich viel häufiger eingeladen würden, „als ihr Wahlergebnis im Verhältnis zu unserem bei der letzten Bundestagswahl rechtfertigen würde“. Die Partei sei in das Europaparlament sowie drei Landesparlamente eingezogen und beteilige sich an einer Landesregierung. „Das BSW repräsentiert damit Millionen Wählerinnen und Wähler.“
ARD und ZDF weisen Kritik zurück
Die ARD wies die zugrunde liegende Argumentation zurück. „Talkshows sind keine Ersatzparlamente“, teilte der Senderverbund auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Außerhalb von Wahlkampfzeiten sei die Parteizugehörigkeit nur eines von mehreren Kriterien für die Auswahl von Gästen. Ausschlaggebend sei, ob Parteienvertreter etwas Relevantes zum jeweiligen Thema der Sendung beitragen könnten.
Das ZDF betonte, dass die Redaktionen von „Maybrit Illner“ und „Markus Lanz“ nach journalistischen Kriterien über die Auswahl ihrer Gäste entscheiden würden. „Ausschlaggebend sind dabei die Themen der jeweiligen Sendung sowie die Frage, welche Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner dazu relevante Perspektiven und besondere Expertise einbringen können oder politische Verantwortung tragen.“
BSW stützt Vorwürfe auf eigene Auswertung
Das BSW untermauert seine Vorwürfe mit einer Auswertung der Talkformate „Markus Lanz“, „Maybrit Illner“, „Maischberger“, „Caren Miosga“ und „Hart aber fair“. Nach Angaben der Partei kamen Vertreter von CDU und CSU seit Jahresbeginn 76-mal in den Sendungen zu Wort, SPD-Politiker 46-mal. Für die Grünen verzeichnet das BSW 20 Auftritte, für die FDP 7 sowie für AfD und Linke jeweils 8. Das BSW selbst sei nur einmal vertreten gewesen.
Eine Auswertung der dpa kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Je nach Zählweise – etwa von Ex-Parteimitgliedern – ergeben sich leichte Abweichungen.
Wagenknecht spricht von „Affront“
Parteigründerin Sahra Wagenknecht sprach von einem „Affront gegenüber unseren 2,5 Millionen Wählern“. Dies sei zudem „ein krasser Verstoß gegen den Auftrag, den die Sender haben“, sagte sie.
Hinweis: Im ursprünglichen Artikel stand, dass die Parteivorsitzenden Sahra Wagenknecht und Amira Mohamed Ali den Brief unterzeichnet hätten. Tatsächlich sind Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali die Unterzeichner.



