Es ist ein warmer Sommerabend, die Terrasse liegt im Schatten, und Harald Martenstein blättert durch sein Laptop. Plötzlich bleibt er hängen: Aus dem Fernseher schaut ihn Veronika Grimm an, eine der fünf Wirtschaftsweisen, Gast bei Markus Lanz. Was sie da erzählt, klingt wie ein Albtraum – und ist doch die offizielle Zahlenlage. Bis 2029, so ihre Botschaft, wird der komplette Bundeshaushalt von nur noch drei Posten aufgefressen: Soziales, Verteidigung und Zinsen. Kein Euro bleibt übrig für den Rest des Staates.
Die bittere Ansage im TV-Studio
Grimm rechnet vor, dass im Jahr 2029 der gesamte Etat vollständig für diese drei Bereiche verplant sein wird. „Alles! Der gesamte Rest unseres Etats kann dann nur noch über neue Schulden finanziert werden“, erklärt sie. Diese neuen Schulden wiederum würden ab 2030 zusätzliche Zinslasten erzeugen – eine Abwärtsspirale aus Schulden und Zinsen, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.
Gesundheit, Verkehr, Bauwesen, Verwaltung, Forschung, Infrastruktur und selbst der Hausmeister im Kanzleramt: Für all das ist ab 2029 in Deutschland genau null Euro vorgesehen. „Null“, wiederholt Martenstein ungläubig. Markus Lanz zeigt sich im Talk ebenfalls erschüttert und ruft: „2029, das ist quasi übermorgen!“
Was die Wirtschaftsweisen wirklich beraten
Veronika Grimm ist keine beliebige Kommentatorin. Sie gehört zum Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – bekannt als die „Wirtschaftsweisen“. Dieses Gremium berät die Bundesregierung in allen grundsätzlichen Fragen der Wirtschaftspolitik. Wenn Grimm solche Zahlen vorträgt, dann steckt dahinter eine Berechnung auf Basis aktueller Haushaltsdaten, nicht ein politisches Wunschdenken.
Die Aussage ist umso dramatischer, weil sie die Handlungsfähigkeit des Staates komplett infrage stellt. Selbst der Bundeskanzlerin bliebe theoretisch nur noch der Hausmeister – falls der denn bezahlt werden könnte. Martenstein merkt an: „Wirklich, das ist der Hammer. 2029!“ Die Zeit bis dahin ist kurz: nur zwei Sommer, dann Ende Gelände.
Schuldenberatung für die Republik
Martensteins Gedanken wandern zu Peter Zwegat, dem legendären Schuldenberater aus dem Fernsehen, der leider nicht mehr lebt. Er war so etwas wie der Thomas Gottschalk der Schuldenberatung. Doch es gibt Alternativen: Die Caritas etwa, die laut künstlicher Intelligenz auch in der Schuldenberatung gut sein soll. Die Botschaft, die man dort vermutlich hören würde: „Man braucht in so einer Situation viel Disziplin.“
Disziplin – ausgerechnet in Deutschland? Da hat Martenstein so seine Zweifel. „Das wird wohl nichts“, schreibt er trocken. Die Realität sei geprägt von Ausgabewünschen, Wahlgeschenken und einer Politik, die lieber neue Schulden macht, als Prioritäten zu setzen. Wenn selbst die Wirtschaftsweisen nur noch warnen können, scheint die Republik den Gang zum Schuldenberater nicht mehr aufschieben zu können.
Zwei Sommer bis zum Kollaps
Bis 2029 gibt es also nur noch zwei Sommer – im übertragenen wie im buchstäblichen Sinne. Die Ampel-Koalition ist nicht mehr im Amt, die nächste Regierung wird das Problem erben. Martenstein dankt Frau Grimm ausdrücklich für den Hinweis und kündigt an: „Ich pflanze heute noch ein Apfelbäumchen.“ Eine Anspielung auf den berühmten Satz von Martin Luther – auch wenn hier wohl keine protestantische Erneuerung, sondern nur noch Galgenhumor hilft.
Ob das Apfelbäumchen jemals Früchte tragen wird? Angesichts der Haushaltslage vielleicht nicht. Aber, so Martenstein, man müsse die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht wächst es ja über die Schuldenberge hinaus. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Politik endlich Disziplin zeigt, bevor 2029 zur wirtschaftlichen Zäsur wird. Die Wirtschaftsweisen haben gewarnt – jetzt ist die Politik am Zug.



