Am 15. Juni 2026 nimmt die neue S-Bahn-Linie S15 in Berlin ihren Betrieb auf. Zunächst verkehrt sie nur zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und dem Hauptbahnhof. Doch die Deutsche Bahn hat weitreichende Pläne: Die Strecke soll zu einer leistungsfähigen Nord-Süd-Achse ausgebaut werden, die Berlin nachhaltig verändert. Allerdings wird dies voraussichtlich noch zwei Jahrzehnte dauern.
Erster Abschnitt: Gesundbrunnen bis Hauptbahnhof
Der Start der S15 markiert den Beginn eines ehrgeizigen Projekts. Holger Ludewig, Projektleiter bei der Deutschen Bahn, betonte am Donnerstag, dass die vollständige Strecke bis zur Yorckstraße voraussichtlich Mitte der 2040er-Jahre realisiert sein wird. Der erste Abschnitt ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen soll.
Zweiter Abschnitt: Hauptbahnhof bis Potsdamer Platz
Im nächsten Schritt wird die S15 vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz verlängert. Dafür wird der bisherige Interimsbahnsteig am Hauptbahnhof durch einen endgültigen Halt ersetzt. Der Bau dieser unterirdischen Strecke ist äußerst anspruchsvoll, da sie unter anderem am Reichstagsgebäude und am Brandenburger Tor vorbeiführt. Südlich des Hauptbahnhofs teilt sich die Trasse in zwei Tunnelröhren, die hinter dem Reichstag wieder zusammengeführt werden. Die Planungen laufen bereits seit Jahren, und seit Anfang 2024 befindet sich das Projekt im Genehmigungsverfahren. „Wir gehen davon aus, dass wir im Herbst einen Planfeststellungsbeschluss erhalten. Danach beginnen die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen und die Sicherung der Finanzierung“, erläuterte Ludewig. Der Tunnel wird mit einer Tunnelbohrmaschine erstellt, was auf dieser kurzen Distanz von nur 1,2 Kilometern ungewöhnlich ist. „Sowas macht man sonst nicht auf so kurzen Strecken. Aber wir sind hier in einem sehr sensiblen Bereich“, erklärte der Projektleiter. Die Fertigstellung dieses Abschnitts wird für Mitte bis Ende der 2030er-Jahre erwartet.
Dritter Abschnitt: Weiterfahrt zur Yorckstraße
Anschließend soll die S15 zu den S-Bahnhöfen Yorckstraße und Großgörschenstraße verlängert werden. Diese Bahnhöfe werden für die Einbindung der S15 als viergleisige Stationen neu gebaut. Als Zwischenhalt ist eine Station am Gleisdreieck vorgesehen, die einen neuen Umsteigepunkt zwischen U-Bahn und S-Bahn schaffen wird. Ludewig rechnet für diesen dritten Streckenabschnitt mit einem aufwendigen Planfeststellungsverfahren, da mehr Anwohner betroffen sind. Dieser Abschnitt soll bis Mitte der 2040er-Jahre fertiggestellt werden.
Vision einer neuen Stammstrecke
Wenn alle Ausbaustufen abgeschlossen sind, wird die S15 eine völlig neue Verbindung durch Berlin schaffen. Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek sieht in ihr eine „neue Stammstrecke der Berliner S-Bahn, die vom Nordring bis zum Südring die Stadt durchquert“. Die Linie wird dann nicht nur den Norden und Süden Berlins verbinden, sondern auch wichtige Umsteigepunkte wie den Hauptbahnhof, den Potsdamer Platz und das Gleisdreieck anbinden. Die Reisezeit zwischen Gesundbrunnen und der Yorckstraße wird sich deutlich verkürzen, und die S-Bahn wird eine echte Alternative zum Auto oder Bus bieten.
Die Bauarbeiten werden die Stadt in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen, insbesondere im Bereich der Innenstadt. Dennoch sind die Verantwortlichen optimistisch, dass die neue Nord-Süd-Achse den öffentlichen Nahverkehr in Berlin revolutionieren wird.



