Die Bundesregierung hat sich nach achtstündigen Verhandlungen auf eine umfassende Steuerreform geeinigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach bei der Vorstellung des Reformpakets im Kanzleramt am Donnerstagmorgen von „einem großen Sprung“. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) ergänzte: „Das ist ein sehr gutes Paket, das unser Land voranbringen wird.“ Die Entlastung soll zehn Milliarden Euro pro Jahr betragen.
Was die Reform für Familien bedeutet
Familien mit Kindern gehören zu den Hauptprofiteuren der Reform. Der Kinderfreibetrag wird deutlich angehoben, und das Kindergeld steigt um monatlich 15 Euro pro Kind. Alleinerziehende erhalten einen erhöhten Entlastungsbetrag. Konkret bedeutet das für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro eine jährliche Entlastung von rund 1.200 Euro. „Gerade Familien mit mittleren Einkommen werden spürbar entlastet“, sagte Klingbeil.
Auswirkungen auf Geringverdiener
Für Menschen mit geringen Einkommen wird der Grundfreibetrag angehoben. Der Eingangssteuersatz sinkt leicht, sodass Arbeitnehmer mehr Netto vom Brutto behalten. Ein Single mit einem Jahreseinkommen von 25.000 Euro spart etwa 300 Euro pro Jahr. Zudem wird der Arbeitnehmer-Pauschbetrag erhöht, was vor allem Berufstätige mit niedrigen Einkommen begünstigt. Gewerkschaften lobten die Maßnahmen, forderten aber weitergehende Schritte.
Spitzenverdiener und Vermögende
Spitzenverdiener profitieren weniger stark. Der Spitzensteuersatz bleibt unverändert bei 42 Prozent, die Reichensteuer von 45 Prozent ab 250.000 Euro Jahreseinkommen wird nicht angetastet. Vermögende müssen mit einer moderaten Erhöhung der Erbschaftssteuer bei sehr hohen Erbschaften rechnen. Die Reform zielt nach Aussage von Merz darauf ab, „die Mitte zu entlasten, ohne die oberen Einkommen übermäßig zu begünstigen“.
Kritik und Ausblick
Die Opposition kritisierte die Reform als unzureichend. Die FDP forderte eine grundlegende Steuerstrukturreform, die Linke vermisst eine stärkere Belastung von Superreichen. Die Reform soll im Sommer vom Bundestag verabschiedet werden und rückwirkend zum 1. Januar 2025 in Kraft treten. Laut Finanzministerium werden rund 90 Prozent der Steuerzahler entlastet, der Staat nimmt jährlich zehn Milliarden Euro weniger ein.



