Frühstartrente: Staat zahlt 10 Euro monatlich für Kinder ab sechs
Frühstartrente: Staat zahlt 10 Euro für Kinder

Die Bundesregierung treibt ihre Pläne für eine staatlich geförderte private Altersvorsorge für Kinder voran. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat den angekündigten Gesetzentwurf für eine Frühstartrente in die Ressortabstimmung der Regierung gegeben. Mit eigenen Zuzahlungen sollen sechsstellige Summen angespart werden können.

Wie die Frühstartrente funktioniert

Laut dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Gesetzentwurf will der Bund für jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr künftig zehn Euro pro Monat in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot zahlen. Ausgezahlt werden soll das geförderte Kapital erst nach Vollendung des 65. Lebensjahrs. Zuzahlungen sind bis zu 6840 Euro im Jahr möglich. Nach der Volljährigkeit kann das Geld in einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen werden.

Keine Nachholregelung für ältere Jahrgänge

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollen ältere minderjährige Jahrgänge keine Förderung erhalten. Für sie können entsprechende Vorsorgedepots ohne die staatliche Förderung eröffnet werden. Damit wird von früheren Überlegungen der Koalition abgerückt. Ursprünglich war angekündigt worden, ab 2029 auch ältere, bislang nicht berücksichtigte Jahrgänge nachträglich einzubeziehen. Diese Nachholregel ist im Gesetzentwurf nicht mehr enthalten.

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Chancengleichheit als zentrales Ziel

Zentrales Ziel sei „mehr Chancengleichheit“, sagte Klingbeil den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die zuerst berichtete. Eine frühe Altersvorsorge hänge heute oft von der Einkommens- oder Vermögenshöhe bei den Eltern ab. „Diese Ungleichheit setzt sich dann oft bis ins Alter fort. Das wollen wir ändern.“

Details zum Depot und Starttermin

Das Depot soll von den Eltern bei einem Anbieter nach Wahl eröffnet werden können oder in einer öffentlichen Kapitalanlage erfolgen. Die Erträge sollen bis Auszahlungsbeginn steuerfrei sein. Starten soll die Frühstartrente mit dem Geburtsjahrgang 2020 rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab kommendem Jahr soll jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen dazukommen. Auch für frühere Geburtsjahrgänge, jene der unter 18-Jährigen, sollen Verträge geschlossen werden können, aber ohne staatliche Zuwendungen. Ein Antrag soll generell nicht nötig sein. Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.

Frühstartrente als Weiterbildung

Mit dem Projekt will die schwarz-rote Koalition laut Gesetzentwurf auch die Finanzkompetenz in Deutschland stärken. Die Wertentwicklung soll für die jungen Menschen „in ihren persönlichen Depots unmittelbar erlebbar“ werden, heißt es aus Ministeriumskreisen. Der Gesetzentwurf spricht von „einer frühen praktischen Kapitalmarkterfahrung junger Menschen“ mit den Eltern. Eltern und Kinder sollten nachvollziehen können, wie sich das Vermögen entwickele und welche Rolle Kapitalmarktmechanismen für die private Altersvorsorge spielten. Anbieter und öffentliche Stellen sollen dazu regelmäßig verständlich und transparent informieren. So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen.

Hohe Ertragschancen durch Zuzahlungen

Inklusive Zinseffekten und Zuschüssen der Eltern rechnet man im Finanzministerium mit großen Ertragschancen. Zahlen beispielsweise die Eltern monatlich 10 Euro zu, steigt der Depotwert bis 18 auf rund 4.400 Euro, wie das Ministerium vorrechnet. Mit 65 liegt der Wert bei 107.000 Euro. Schießen die Eltern pro Monat 50 Euro zu, können die Kinder mit 65 mit einem 320.000-Euro-Depot rechnen. Wenn die Eltern nichts dazugeben, dann liegt der Depotwert mit 18 demnach bei 2.200 Euro und mit 65 Jahren bei rund 53.000 Euro. Die Zahlen berücksichtigen weder die Inflation noch eine Besteuerung bei der Auszahlung.

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Weitere Vorsorgepläne der Koalition

Klingbeil wertete die Frühstartrente als „wichtigen Beitrag für eine bessere Altersvorsorge“. In der Bundesregierung, vor allem im Ressort von Sozialministerin Bärbel Bas (SPD), ist auch eine große Rentenreform in Vorbereitung, für die eine Expertenkommission umfangreiche Vorschläge vorgelegt hatte. Eine größere Reform der privaten Altersvorsorge hatte Schwarz-Rot bereits in Angriff genommen. Erklärtes Ziel: Die private Altersvorsorge soll günstiger, einfacher und unbürokratischer werden. Im Frühjahr hatten sich Union und SPD im Bundestag auf Änderungen an einer Vorlage Klingbeils geeinigt. Geben soll es einen Nachfolger für die wenig beliebte private Riester-Rente. Die Riester-Rente sollte Sicherheit bringen, wenn die gesetzliche Rente perspektivisch nicht reicht – gefördert mit Zulagen und Steuervorteilen. Doch viele zahlen nicht weiter in ihre Riester-Verträge ein oder haben sie gekündigt. Denn die Attraktivität leidet unter der Null-Risiko-Strategie beim Anlegen und unter Abschluss- und Verwaltungskosten. Eingeführt werden soll nun ein Altersvorsorgedepot, das auch hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht. Der Staat will die Anlagen je nach Einzahlungshöhe gestaffelt fördern. Von der Frühstartrente soll es nun laut Gesetzentwurf einen nahtlosen Übergang in die steuerlich geförderte private Altersvorsorge ab Volljährigkeit geben. (dpa, Reuters)