IHK Halle-Dessau fordert flexibleres Rentenmodell
Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau hat ein neues Konzept für die gesetzliche Rentenversicherung vorgelegt. Das sogenannte „Hallesche Wahlrentenmodell“ sieht vor, dass Versicherte künftig selbst bestimmen können, wann sie in Rente gehen. Kammer-Präsident Sascha Gläßer erklärte: „Die Fixierung auf starre Altersgrenzen führt in eine Sackgasse.“ Neben mehr Flexibilität brauche es auch eine ehrlichere Diskussion über die Folgen rentenpolitischer Entscheidungen.
Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) plant, bis zur Sommerpause ein großes Reformpaket auf den Weg zu bringen, das unter anderem die Rente und Steuern umfasst. Gewerkschaften und Sozialverbände warnen jedoch vor einem Abbau des Sozialstaats. Das nun von der IHK Halle-Dessau vorgestellte Konzept soll ein Beitrag zur aktuellen Reformdebatte sein.
Individuelle Entscheidung statt einheitlicher Altersgrenze
Nach Ansicht der IHK sollte in Zukunft nicht mehr ein einheitliches, staatlich vorgesehenes Renteneintrittsalter gelten. Stattdessen soll die individuelle Entscheidung der Versicherten im Mittelpunkt stehen. Bürgerinnen und Bürger sollen demnach selbst festlegen können, wann sie in Rente gehen möchten. Diese Entscheidung soll im Laufe des Erwerbslebens angepasst werden können.
Wer früher in Rente geht, müsste nach dem Konzept höhere Beiträge zahlen. Wer länger arbeitet, würde dagegen entlastet. „Ziel ist es, individuelle Wahlfreiheit mit finanzieller Verantwortung zu verbinden und die gesetzliche Rentenversicherung langfristig stabil zu halten, ohne etwas am Prinzip der Umlagefinanzierung zu ändern“, hieß es. Durch die unmittelbare Entscheidungsmöglichkeit, verbunden mit der Anpassung der Beiträge, sollen zukünftige Beitragszahler nicht länger einseitig belastet werden.
Ausgleichsmechanismen für belastende Berufe
Neben einem wählbaren Renteneintrittsalter sieht das „Hallesche Wahlrentenmodell“ zudem Ausgleichsmechanismen vor, unter anderem für Beschäftigte in körperlich belastenden Berufen. Ziel des Modells sei es, neue Impulse für eine langfristig tragfähige und gesellschaftlich akzeptierte Ausgestaltung der gesetzlichen Rentenversicherung zu geben. Die IHK hofft, damit die Reformdebatte voranzubringen und eine nachhaltige Lösung für die Rentenpolitik zu finden.



