Bundeskanzler Friedrich Merz zieht vor der Sommerpause Bilanz – und steht vor einem Rätsel: Trotz Mammut-Reformen und außenpolitischer Erfolge will die Stimmung im Land nicht kippen. Eine einfache Regel könnte den Kanzler retten, doch er ignoriert sie zu oft, kommentiert Julia Emmrich, stellvertretende Ressortleiterin Politik/Wirtschaft der Funke Mediengruppe.
Die goldene Regel der Kommunikation
Es gibt eine einfache Regel, die für alle gilt – für Paare, Betriebe, Fußballmannschaften und auch für den Kanzler. Sie lautet: Kommunikation ist nicht alles – aber ohne gute Kommunikation ist alles nichts. Dies sei der zentrale Grund, warum Friedrich Merz so unbeliebt sei wie kaum ein anderer Bundeskanzler, schreibt Emmrich. Und warum sich daran trotz Mammut-Reformen, außenpolitischer Erfolge, U-Boot-Deals und regelmäßiger Trump-Telefonate nichts ändere.
Merz kennt sein Problem – aber behebt es nicht
Merz kenne und benenne sein Kommunikationsproblem, aber es gelinge bis heute nicht, zuverlässig einen Ton zu treffen, der die Menschen für ihn einnehme. Noch schwerer wiege: Weder der Kanzler noch sein Team seien in der Lage abzuschätzen, welche Wirkung sich aus Details entfalte. 34 Reformpunkte beschließe die Koalition – und das Einzige, was hängen bleibe, sei die Krankschreibung ab dem ersten Tag. „So was muss man vorhersehen“, kritisiert Emmrich.
Das Bild des sozial kalten Kanzlers verfestigt sich
Jetzt, zu Beginn der Sommerpause, habe Merz noch ein anderes Problem: Das Bild des sozial kalten und oberlehrerhaften Kanzlers sei so verfestigt, dass es sich immer schwerer korrigieren lasse. Die Folge: Die CDU-Wahlkämpfer im Osten zweifelten, ob sie diesen Kanzler im Wahlkampf überhaupt sehen wollten. „Das ist bitter. Für die CDU. Aber auch für die Demokratie“, so Emmrich.
Vergleich mit Berlins Bürgermeister
Es gebe Leute, die diese Regel noch schlechter beherrschten: Berlins Regierender Bürgermeister habe gerade seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur erklären müssen, weil er in der Stromausfall-Krise das Kommunizieren erst dramatisch vernachlässigte und sich dann später in einem Gespinst aus Unwahrheiten verstrickte.



