Bundeskanzler Friedrich Merz (70) hat mit einem verfrühten Loblied auf die deutsche Nationalmannschaft nach deren WM-Aus gegen Paraguay für großes Aufsehen gesorgt. Wie am Dienstagabend aus Regierungskreisen bekannt wurde, handelte es sich bei dem umstrittenen Post um einen „Abstimmungsfehler“. Ursprünglich sei eine andere, kritischere Botschaft geplant gewesen. Stattdessen wurde auf dem offiziellen Account des Kanzlers eine Variante verbreitet, die das Team trotz des peinlichen Ausscheidens in den höchsten Tönen lobte.
Kommunikationspanne im Kanzleramt
Nach Informationen des „Tagesspiegel“ teilte das Kanzleramt mit: „Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf.“ Demnach seien verschiedene Textvarianten vorbereitet worden, um auf die möglichen Szenarien des Achtelfinalspiels reagieren zu können. Durch einen internen Koordinationsfehler sei jedoch die falsche Version ausgewählt und veröffentlicht worden. „Das ist leider sehr ärgerlich“, hieß es aus Regierungskreisen. Der Tweet, der nur eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff erschien, lautete: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel. Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“
Die 3:4-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen den südamerikanischen Außenseiter war in den Medien zuvor als „Trauerspiel“, „Blamage“ und „Armutszeugnis für Fußball-Deutschland“ bezeichnet worden. Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und dem Kanzler-Tweet war enorm.
Spott von allen Seiten
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ein Mitglied des CDU-Bundesvorstands wurde mit den Worten zitiert: „Nach diesem Tweet stellt sich die Frage, was eigentlich mehr weh tat. Die Leistung gestern oder diese Einordnung des Bundeskanzlers.“ Auch die politische Konkurrenz nutzte die Gelegenheit für Häme. FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann (68) schrieb auf X: „Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse.“ Auf der Plattform X trendete die Wortkombination „Welches Spiel“, was die allgemeine Verwunderung über Merz‘ positive Darstellung widerspiegelte.
Merz sah sich daraufhin gezwungen, mit einem weiteren Post nachzulegen. „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark“, schrieb er zur Kritik. „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“ Ob diese Botschaft ebenfalls von der Panne betroffen war oder bewusst gesetzt wurde, blieb zunächst unklar.
Panne wirft Fragen auf
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Social-Media-Strategie des Kanzleramts. Die Tatsache, dass mehrere vorformulierte Tweets für verschiedene Spielausgänge bereitlagen, ist in der politischen Kommunikation zwar üblich, die Verwechslung jedoch ein peinlicher Fauxpas. Kritiker bemängeln, dass die positive Grundhaltung des versehentlich veröffentlichten Tweets ohnehin realitätsfern gewesen sei. Die deutsche Nationalmannschaft war nach einer schwachen Leistung in der Gruppenphase und einem glücklichen Weiterkommen nun endgültig gescheitert.
Der DFB selbst äußerte sich nicht direkt zu dem Tweet, betonte aber in einer Stellungnahme den Rückhalt durch die Fans und die Politik. Dennoch bleibt der Eindruck einer chaotischen Kommunikation. Ob Kanzler Merz persönlich in den Abstimmungsprozess eingebunden war oder ob die Panne allein auf Mitarbeiter zurückgeht, wurde nicht mitgeteilt. Fest steht: Der Fauxpas hat die Diskussion um die sportliche Krise des deutschen Fußballs um eine politische Peinlichkeit erweitert.



