Die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland ist im Jahr 2025 auf einen historischen Höchststand gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, erwarben rund 332.500 Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit – ein Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders in Berlin fiel der Zuwachs mit fast 80 Prozent auf 39.041 Einbürgerungen extrem aus.
Berliner Einbürgerungsboom dank neuer Gesetze
Hinter dem sprunghaften Anstieg in der Hauptstadt steht das im Juni 2024 in Kraft getretene modernisierte Staatsangehörigkeitsgesetz. Zudem wurden die Einbürgerungsprozesse im neu geschaffenen Landesamt für Einwanderung gebündelt, das Personal fast verdoppelt und viele Abläufe digitalisiert. So entfielen persönliche Beratungstermine, und Identitäten werden nun digital geprüft. Insgesamt wurden in Berlin 42.517 Anträge gestellt, von denen lediglich 1.934 abgelehnt wurden. Rund 1.700 Anträge wurden von den Antragstellern zurückgezogen, 580 Verfahren aus anderen Gründen eingestellt.
Herkunftsländer der Neubürger
Die größte Gruppe unter den Eingebürgerten bildeten Syrer, gefolgt von Türken und Russen. Im Durchschnitt lebten die neuen Staatsbürger bereits 11,2 Jahre in Deutschland, ihr Durchschnittsalter lag bei 32,4 Jahren. Auffällig ist der starke Anstieg bei Einbürgerungen von US-Amerikanern, die sich von 283 im Jahr 2024 auf 1.090 im Jahr 2025 fast vervierfachten. Auch Iraner verzeichneten mit 1.619 Einbürgerungen eine Verdopplung.
Politische Reaktionen: Lob und Kritik
Die Rekordzahlen lösten ein geteiltes Echo bei den politischen Parteien aus. Die grüne Parlamentsgeschäftsführerin Filiz Polat sprach von einer „Erfolgsgeschichte“ und betonte, dass sich Eingebürgerte bewusst für Deutschland entschieden. Sie warnte davor, das Staatsangehörigkeitsrecht zum Gegenstand parteipolitischer Verhandlungen zu machen, da dies Verunsicherung und Spaltung fördere. Die Linkspartei nannte die Zahlen eine „gute Nachricht“ und hob hervor, dass die neuen Staatsbürger nun endlich mitbestimmen könnten. Die AfD hingegen forderte einen sofortigen Einbürgerungsstopp. AfD-Chefin Alice Weidel schrieb auf X, Deutschland brauche keine Masseneinbürgerungen, sondern eine konsequente Rückführungspolitik.
Doppelte Staatsbürgerschaft weit verbreitet
Die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft, die seit der Reform im Juni 2024 generell erlaubt ist, wird von den meisten Neubürgern genutzt. Laut einer Umfrage des Mediendienstes Integration liegt die Quote der Mehrstaatigkeit in den Städten, die Daten erhoben haben, zwischen 85 und 98 Prozent. Nur wenige verzichten auf den Doppelpass, meist weil sie zuvor staatenlos waren oder ihr Herkunftsland die Mehrstaatigkeit nicht erlaubt, wie etwa Indien, Äthiopien oder Eritrea.
CDU fordert Verschärfungen
CDU-Innenexperte Günther Krings kritisierte die hohe Zahl an Doppelstaatlern und forderte gesetzgeberische Maßnahmen, um den Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft bei schweren Straftaten oder Extremismus zu erleichtern. Er schlug vor, die rechtlichen Möglichkeiten zu erweitern, damit Doppelstaatler die deutsche Staatsangehörigkeit leichter verlieren können. „Die bisherigen Tatbestände reichen absolut nicht aus“, so Krings. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte bereits die sogenannte Turbo-Einbürgerung nach drei Jahren wieder abgeschafft.



