Jens Spahn (46, CDU) ist als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten. Das Protokoll des Rücktritts zeigt ein beispielloses Polit-Drama: Spahn wollte die Leihmutter-Affäre aussitzen, doch am Ende verlor er alles. Aus Regierungskreisen erfuhr BILD, dass hinter den Kulissen bis zur letzten Minute ein knallharter Macht-Poker tobte.
Die geheime „Mitleids-Taktik“
Als die Nachricht von der Geburt seines Kindes durch eine Leihmutter in den USA am Mittwoch bekannt wurde, schalteten Spahn und seine engsten Vertrauten sofort auf Krisenmodus. Das Konzept: Die Affäre komplett auf die private, emotionale Schiene lenken. Man hoffte, das Thema durch das späte Vaterglück moralisch zu neutralisieren und die Debatte auszusitzen. Doch Spahn spielte auf Zeit, die er längst nicht mehr hatte.
Rache der Feinde im Kanzleramt
Hinter den Kulissen heißt es klipp und klar: Spahn hat sich verzockt! Der Grund für den schnellen Sturz liegt hauptsächlich in der Regierungszentrale. Spahn hat – anders als in seiner Fraktion – im Kanzleramt kaum echte Freunde. Im Gegenteil: Dort sitzen seine erbittertsten Feinde. Und genau diese Widersacher sahen jetzt ihre Chance gekommen. Nach BILD-Informationen machten sie Kanzler Friedrich Merz unmissverständlich klar: „Jens ist nicht mehr tragbar, er beschädigt die Glaubwürdigkeit der gesamten Regierung.“ Gegen diese geballte Front im engsten Machtzirkel wollte und konnte Merz seinen Fraktionschef nicht mehr verteidigen.
Das finale Telefonat mit dem Kanzler
Hinzu kam: In der gesamten Union brodelte es gewaltig. Der parteiinterne Druck wurde von Stunde zu Stunde unerträglicher. Merz blieb das nicht verborgen. Er entschied sich zur Flucht nach vorn, rief alle Landesvorsitzenden an und holte ein Stimmungsbild ein: Ist Spahn noch zu halten? Einhellige Tendenz: nein. Merz telefonierte mit Spahn und forderte ihn nach BILD-Informationen zum Rückzug auf. Spahn hatte im Vorfeld noch mit Vertrauten die Lage sondiert, doch es gab kein Halten mehr. Er war isoliert – und verstand: Es ist aus. Ohne Rückhalt des Kanzlers kann er nicht mehr weitermachen.
Der Rücktritt
Spahn reagierte. Um 13:31 Uhr sickerte in Berlin der Brief an seine eigene Fraktion durch, in dem er seinen sofortigen Rücktritt verkündete. Das Schreiben beendete ein Polit-Drama, das die Union tagelang in Atem gehalten hatte.
Wie geht es jetzt für Spahn weiter?
Der Fraktionsvorsitz ist weg. Doch das ist vielleicht nicht alles. In der Partei wird bereits die nächste Frage diskutiert: Gibt Spahn jetzt sogar sein Bundestagsmandat auf? Manche glauben, dass sich der junge Vater nun erst einmal komplett ins Familienleben zurückzieht. Ein einfacher Abgeordneter auf der Hinterbank? Das ist sicher nichts für Spahn.



