Philipp Amthor wird neuer Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Kanzleramt. Das gab Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitag im Rahmen einer Kabinettsumbildung bekannt. Der 33-jährige CDU-Politiker, der bisher als Staatssekretär im Digitalministerium tätig war, soll künftig die Koordination zwischen Bundesregierung und den 16 Bundesländern übernehmen.
Merz lobt Amthors Fähigkeiten
Bei der Vorstellung neben der designierten Kanzleramtschefin Nina Warken würdigte Merz Amthor als „hervorragenden Juristen“ und betonte seine guten Verbindungen zu den Chefs der Staatskanzleien aller Bundesländer. „Er ist ein guter Politiker und Parlamentarier, aber auch ein hervorragender Jurist“, so Merz. Diese Eigenschaften seien für den neuen Posten essenziell.
Amthor hatte bereits in seiner vorherigen Rolle eng mit den Ländern zusammengearbeitet. Der Bedarf für einen durchsetzungsstarken Koordinator war zuletzt gewachsen, nachdem Kritik an seinem Vorgänger Michael Meister laut geworden war. Ihm wurde vorgeworfen, wichtige Vorhaben der Bundesregierung zu spät mit den Ländern abgestimmt und insgesamt zu wenig kommuniziert zu haben. Das Scheitern der steuerfreien Entlastungsprämie im Bundesrat wird teilweise auf Meisters mangelnde Koordination zurückgeführt.
Der Aufstieg eines Netzwerkers
Amthor ist bekannt für sein ausgeprägtes Netzwerk, das er bereits in jungen Jahren aufbaute. Schon während seines ersten Bundestagswahlkampfs 2017 sammelte er in seiner Studentenwohnung Ordner mit Teilnehmerlisten von Veranstaltungen und pflegte Kontakte akribisch. Sein Handy enthielt damals die Nummer von Angela Merkel, und er kannte die Namen ihrer Bodyguards. Diese Fähigkeit, Kontakte gezielt zu knüpfen und zu pflegen, hat ihn in der CDU unverzichtbar gemacht.
Trotz eines Lobby-Skandals 2020, bei dem er sich für die Firma Augustus Intelligence eingesetzt hatte, an der er selbst beteiligt war, rehabilitierte sich Amthor. Er verzichtete auf die Kandidatur als CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, wurde aber 2021 Spitzenkandidat und nach dem Wahlsieg 2025 Staatssekretär im Digitalministerium.
Bekanntheit und Schlagfertigkeit
Amthor ist einer der bekanntesten deutschen Politiker, auch bei jungen Leuten. Bei einem Besuch im Paul-Löbe-Haus erkannten ihn Schüler sofort, während sie an seinem Chef, Digitalminister Karsten Wildberger, vorbeigelaufen wären. Die „heute-show“ machte ihn zum „jüngsten ältesten Mann der Republik“ – Amthor reagiert darauf mit Humor und stellt sich immer wieder der Satiresendung.
In seinem neuen Amt wird Amthor voraussichtlich noch mehr Zeit in Berlin verbringen als bisher. Sein Privatleben, insbesondere seine Beziehung mit der Historikerin Carlotta Voß, hat zu einem Wandel beigetragen: Früher für Altherrenwitze bekannt, bezeichnet er sich nun selbstbewusst als Feminist. Seine Kontaktpflege bleibt akribisch – wer weiß, ob nicht auch der neue Job von seinen Geburtstagserinnerungen profitiert.



