SPD-Fraktionschef Binder bringt Aigner als Steinmeier-Nachfolgerin ins Gespräch
Binder schlägt Aigner als Bundespräsidentin vor

In der Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der SPD-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag, Andreas Binder, überraschend die CSU-Politikerin Ilse Aigner ins Spiel gebracht. Binder sagte der „Augsburger Allgemeinen“, Aigner sei eine „sehr gute Kandidatin“ für das höchste Staatsamt. Die gebürtige Bayerin und derzeitige Landtagspräsidentin in München bringe alle Voraussetzungen mit, um das Amt würdevoll und überparteilich auszufüllen.

Warum Aigner? Binder lobt Amtsführung und Ausstrahlung

Binder begründete seinen Vorschlag mit Aigners langjähriger politischer Erfahrung und ihrer Fähigkeit, Brücken zwischen den Parteien zu bauen. „Ilse Aigner hat als bayerische Landtagspräsidentin bewiesen, dass sie über den Tellerrand hinausschauen kann und nicht nur Parteiinteressen vertritt“, sagte der SPD-Politiker. Auch ihre frühere Tätigkeit als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von 2008 bis 2013 habe sie zu einer bundesweit bekannten und geschätzten Politikerin gemacht.

Aigner ist seit 2018 Präsidentin des Bayerischen Landtags und damit die zweithöchste Repräsentantin des Freistaats nach Ministerpräsident Markus Söder. In dieser Rolle habe sie sich einen Ruf für ihre unaufgeregte und sachliche Art erworben, so Binder. Er betonte, dass es nicht um eine parteipolitische Personalie gehe, sondern um die bestmögliche Besetzung des höchsten Staatsamts.

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Reaktionen: Überraschung und Skepsis in der Union

In der Union stieß der Vorstoß des SPD-Fraktionschefs auf geteilte Reaktionen. Während einige CSU-Politiker Aigner als „ehrenvolle Kandidatin“ bezeichneten, äußerten andere Bedenken, ob sie sich gegen den amtierenden Bundespräsidenten durchsetzen könnte. Steinmeier hatte im Mai angekündigt, bei der Bundespräsidentenwahl im Februar 2027 nicht erneut anzutreten. Die Wahl erfolgt durch die Bundesversammlung, die sich aus Bundestagsabgeordneten und gleich vielen Mitgliedern der Landesparlamente zusammensetzt.

Binder wies darauf hin, dass Aigner auch in der Bevölkerung hohe Zustimmungswerte genieße. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa vom Juni 2025 hatte ergeben, dass 42 Prozent der Befragten sich eine Frau im Amt des Bundespräsidenten wünschen. Aigner lag dabei in der Gunst der Befragten auf Platz zwei hinter der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

Wer kommt sonst noch in Frage?

Neben Aigner werden in der politischen Debatte weitere Namen genannt, darunter die frühere Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD), der ehemalige Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle und die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Binder betonte jedoch, dass Aigner die besten Chancen habe, weil sie sowohl in der Union als auch in Teilen der SPD und Grünen akzeptiert werde. „Sie verkörpert eine moderne, pragmatische Politik, die viele Menschen anspricht“, so der SPD-Fraktionschef.

Die Entscheidung über den Kandidaten oder die Kandidatin der Union wird voraussichtlich im Herbst 2026 auf einem Parteitag fallen. Die SPD hat noch keine offizielle Position bezogen, aber Binder signalisierte, dass seine Partei offen für eine überparteiliche Lösung sei. „Wir brauchen eine Persönlichkeit, die das Land zusammenhält und international Respekt genießt“, sagte er.

Aigners Profil: Von der Bundesministerin zur Landtagspräsidentin

Ilse Aigner wurde 1964 in Feldkirchen-Westerham in Oberbayern geboren. Sie ist gelernte Elektrotechnikerin und trat 1981 in die CSU ein. Von 1994 bis 2013 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Nach der Bundestagswahl 2013 wechselte sie in die bayerische Landespolitik und wurde Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. 2018 übernahm sie das Amt der Landtagspräsidentin.

In dieser Funktion hat sie sich mehrfach für den Dialog zwischen den Fraktionen eingesetzt und sich für die Belange der Bürger stark gemacht. Ihr wird ein gutes Verhältnis zu politischen Gegnern nachgesagt, was sie für das Amt der Bundespräsidentin besonders qualifizieren könnte. Binder erinnerte daran, dass Aigner auch während ihrer Zeit als Bundesministerin stets einen überparteilichen Kurs gefahren habe.

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Bundespräsidentenwahl 2027: Zeitplan und Verfahren

Die Bundespräsidentenwahl findet spätestens 30 Tage vor Ablauf der Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier statt. Seine Amtszeit endet am 18. März 2027. Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt, die sich aus allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages und einer gleichen Anzahl von Wahlfrauen und -männern aus den Landtagen zusammensetzt. Insgesamt gehören der Bundesversammlung rund 1.400 Personen an.

Für den ersten Wahlgang ist eine absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich. Sollte diese nicht erreicht werden, genügt im zweiten Wahlgang ebenfalls die absolute Mehrheit. Erst im dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit. Die Wahl ist geheim. Bisher haben alle Bundespräsidenten seit 1949 die Wahl im ersten oder zweiten Wahlgang gewonnen.

Binder: „Aigner wäre eine starke Stimme für Deutschland“

Der SPD-Fraktionschef zeigte sich überzeugt, dass Aigner als Bundespräsidentin die Interessen Deutschlands im In- und Ausland gut vertreten würde. „Sie hat die Gabe, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären und Menschen für politische Themen zu begeistern“, sagte Binder. Dies sei in Zeiten von wachsendem Populismus und gesellschaftlicher Polarisierung besonders wichtig.

Ob Aigner selbst Interesse an einer Kandidatur hat, ist bislang nicht bekannt. Sie hat sich zu dem Vorschlag Binders noch nicht geäußert. In der CSU wird gemutmaßt, dass sie sich eine Kandidatur durchaus vorstellen könnte, da sie als Landtagspräsidentin bereits über eine hohe Reputation verfügt. Ministerpräsident Söder hat sich bislang nicht festgelegt, aber angedeutet, dass er eine Kandidatur Aigners unterstützen würde.

Ausblick: Die Debatte wird intensiver werden

Die Äußerungen Binders dürften die Diskussion um die Steinmeier-Nachfolge weiter anheizen. In den kommenden Monaten werden voraussichtlich weitere Vorschläge aus den Parteien kommen. Die SPD hat angekündigt, sich bis Ende des Jahres positionieren zu wollen. Die Union will auf ihrem Parteitag im Dezember beraten. Binder appellierte an alle Beteiligten, die Personalentscheidung nicht parteipolitisch zu instrumentalisieren, sondern das Wohl des Landes in den Mittelpunkt zu stellen.

„Die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident sollte über den Parteien stehen und das Vertrauen einer großen Mehrheit genießen“, sagte Binder. Ilse Aigner sei genau die Person, die diese Erwartung erfüllen könne. Ob es tatsächlich zu ihrer Nominierung kommt, bleibt abzuwarten.