IS-Bekennervideo auf Handy des CSD-Attentäters Abdul Ballout gefunden
CSD-Attentäter: IS-Video auf Handy entdeckt

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben Ermittler auf dem Handy des mutmaßlichen Täters Abdul Ballout ein Bekennervideo der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) gefunden. Der 21-jährige Deutsche libanesischer Herkunft war am Samstagabend mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge im Tiergarten gefahren, hatte eine 29-jährige Polin getötet und 29 weitere Personen verletzt. Anschließend attackierte er mehrere Menschen mit einer Machete. Bei einem Polizeieinsatz wurde Ballout erschossen.

Polizei findet Bekennervideo und Machetenscheide

Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung entdeckten die Ermittler im Tatfahrzeug das Handy des Attentäters. Darauf befand sich ein Video vom Tattag, in dem sich Ballout zum IS bekennt. Zudem fanden die Beamten eine Machetenscheide im Wagen; die Tatwaffe selbst ist noch nicht aufgefunden worden. Die Polizei geht davon aus, dass Ballout die Machete während seiner Flucht entsorgte. Mantrailer-Hunde halfen dabei, den Fluchtweg zu rekonstruieren: Über die Straße des 17. Juni, den Platz des 18. März und den Friedrich-Ebert-Platz rannte der Täter bis zum Bahnhof Friedrichstraße – mitten durch Tausende CSD-Besucher. Von dort fuhr er weiter nach Spandau, wo er später von der Polizei gestellt und getötet wurde.

Spur der Radikalisierung und behördliches Versagen

Abdul Ballout hatte sich über Jahre radikalisiert und bereits mehrfach versucht, sich dem IS in Syrien anzuschließen. Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Mai 2026 wurde er von Sicherheitsbehörden überwacht. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, filmte eine vom LKA Berlin installierte Kamera Ballout noch eine Stunde vor der Tat, als er sein Haus verließ. Trotz einer Risikobewertung des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums (GTAZ), die ihn in die höchste Gefährdungskategorie „Rot“ einstufte, lockerte das LKA die Überwachung. Die Einschätzung der Behörden wurde nicht an das zuständige Jugendschöffengericht weitergegeben, das über die Fortdauer der Untersuchungshaft entscheiden sollte. Der Extremismusberater Thomas Mücke vom Violence Prevention Network erklärte: „Er hatte einen jahrelangen Radikalisierungsprozess hinter sich. Es war keine Turboradikalisierung.“ Er kritisierte, dass Ballout erst so spät einem Deradikalisierungsprogramm zugeführt wurde.

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SPD fordert Grundgesetzänderung zum Schutz queerer Menschen

Als Reaktion auf den Anschlag bekräftigte die SPD-Spitze ihre Forderung, das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz um das Merkmal der sexuellen Identität zu ergänzen. Die Parteivorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf erklärten in einer Mitteilung: „Wir wollen den Schutz queerer Menschen politisch weiter stärken. Wir setzen uns dafür ein, dass Förderprogramme für queere Menschen nicht durch Kürzungen geschwächt werden.“ Bereits im September 2025 hatte der Bundesrat eine entsprechende Initiative beschlossen, doch der Gesetzentwurf liegt seit fast einem Jahr unberührt im Bundestag. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte sich zuvor im Tagesspiegel-Interview für die Änderung ausgesprochen: „Ich wünsche mir, dass der Bundestag gerade auch in diesen Zeiten ein klares Bekenntnis abgibt und wir die Änderung des Grundgesetzes hinbekommen.“

Politische Debatten über Sicherheitsmaßnahmen

Die CSU drängt nach dem Anschlag auf den verstärkten Einsatz elektronischer Fußfesseln zur Überwachung extremistischer Gefährder. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Hoffmann, zeigte sich gesprächsbereit mit der SPD. Zugleich warnte er vor übereilten Forderungen nach Präventivhaft, die rechtliche Hürden habe. Der CDU-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Stefan Evers, forderte ein Verbot von Moscheevereinen, in denen verfassungsfeindliche Predigten gehalten werden. Die Brandenburger CDU verlangt eine Verschärfung des Jugendstrafrechts – Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren sollten grundsätzlich nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden.

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Mahnwachen und Dialogaktionen

Am Sonntag nahmen 8.000 bis 10.000 Menschen an einer Trauerkundgebung am Brandenburger Tor teil. In Potsdam versammelten sich rund 500 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung, bei der Wolfgang Weber eine emotionale Rede hielt. Die Khadija-Moschee Berlin rief unter dem Motto „Muslime für Frieden – Gemeinsam gegen Extremismus“ zu Dialogaktionen und einem offenen Freitagsgebet auf. Imam Scharjil Khalid sagte: „Dass der Islam für diese entsetzliche Tat instrumentalisiert worden sein soll, erfüllt uns mit doppelter Trauer. Umso wichtiger ist es jetzt, dem Extremismus entschieden entgegenzutreten.“

Opfer aus Polen und internationale Reaktionen

Das getötete Opfer ist eine 29-jährige Polin, die mit ihrer erwachsenen Tochter in Berlin war. Die Tochter wird im Krankenhaus behandelt. Die polnische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Terrorverdachts aufgenommen. Eine von Bund und Land Berlin eingerichtete Telefonhotline für psychosoziale Beratung ist unter 0800 – 0009546 erreichbar.