DFB-Chef Neuendorf: Keine Entscheidung über Nagelsmann nach WM-Aus
DFB-Chef: Keine Entscheidung über Nagelsmann nach WM-Aus

DFB verschiebt Nagelsmann-Entscheidung – Neuendorf: „Können nicht zur Tagesordnung übergehen“

Einen Tag nach dem überraschenden WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch keine Entscheidung über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann getroffen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte in einer offiziellen Mitteilung an, dass man in den kommenden Tagen gemeinsam die Gründe für das frühe Scheitern aufarbeiten werde. „Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, erklärte Neuendorf.

Der DFB-Präsident betonte, dass er sich bereits am Abend der Niederlage mit Nagelsmann sowie der sportlichen Leitung um Andreas Rettig und Rudi Völler zu einem ausführlichen Gespräch getroffen habe. „Wir sind uns einig, dass das Abschneiden bei der WM nicht unseren Ansprüchen genügt“, sagte Neuendorf. Er dankte ausdrücklich den Fans, die das Team in den USA und Kanada unterstützt hatten. Die Nationalmannschaft war nach einem 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay in Foxborough ausgeschieden – die erste Niederlage im Elfmeterschießen bei einer WM für die DFB-Auswahl.

Manuel Neuer beendet Nationalmannschaftskarriere endgültig

Torwart Manuel Neuer hat nach dem WM-Aus seinen endgültigen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bestätigt. Im Interview mit der „Sportschau“ antwortete der 40-Jährige auf die Frage, ob das Spiel gegen Paraguay sein letztes Länderspiel gewesen sei, knapp mit „Ja“. Bereits nach der EM 2024 hatte Neuer seinen Rücktritt erklärt, war aber von Bundestrainer Nagelsmann vor der WM 2026 als Nummer eins zurückgeholt worden. „Nein, das ist extrem bitter, so aufzuhören“, sagte Neuer bei MagentaTV auf die Frage, ob er die Kraft für einen weiteren Neustart im DFB-Team hätte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Entscheidung, Neuer zurückzuholen, hatte im Vorfeld des Turniers für Diskussionen gesorgt, da Oliver Baumann kurzfristig degradiert wurde. Neuer absolvierte nach seiner Rückkehr nur vier Spiele im DFB-Trikot, bevor das WM-Aus kam.

Kritik an Nagelsmann wird lauter – Hamann: „Offensichtlich ist es der Trainer“

Nach dem dritten frühen WM-Scheitern in Serie (2018 Vorrunde, 2022 Vorrunde, 2026 Sechzehntelfinale) wächst der Druck auf Julian Nagelsmann. Der frühere Nationalspieler Dietmar Hamann äußerte sich bei RTÉ Sport vernichtend: „Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen. Das ist ein Typ, der selten Spiele schaut.“ Hamann kritisierte zudem Nagelsmanns WM-Vorbereitung: „Bei der Club-WM, wo in den Stadien gespielt wurde, hättest du die Umstände hier erfahren. Wer war nicht da? Unser Trainer. Deswegen habe ich keine Sympathien für ihn.“

Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann bezeichnete das Ausscheiden bei ESPN als „Blamage“ und „Desaster“. Alles müsse nun auf den Prüfstand gestellt werden, von oben bis unten. Auch Mats Hummels forderte bei MagentaTV Konsequenzen: „Es schreit nach Konsequenzen. Deswegen muss das ein Thema sein, sowohl vom Bundestrainer selbst als auch vom Verband.“

Jürgen Klopp wehrt sich gegen Bundestrainer-Debatte

Nach dem Aus wurde schnell der Name Jürgen Klopp als möglicher Nachfolger ins Spiel gebracht. Die „Bild“ titelte: „Jetzt muss Klopp kommen.“ Der 59-Jährige, der als WM-Experte für MagentaTV arbeitet, reagierte jedoch zurückhaltend: „Ich verstehe, dass jetzt mein Name ins Spiel kommt. Aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen.“ Nagelsmann selbst hatte nach dem Spiel betont, dass er weitermachen wolle: „Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen.“ Sein Vertrag läuft noch bis nach der EM 2028.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Frühes WM-Aus kostet DFB Millionen – TV-Quoten brechen ein

Das frühe Aus hat für den DFB erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge. Für das Erreichen der ersten K.o.-Runde erhält der Verband von der FIFA elf Millionen US-Dollar (9,66 Millionen Euro). Das Achtelfinale hätte vier weitere Millionen Dollar gebracht, das Viertelfinale noch einmal vier. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hatte bereits vor dem Turnier gewarnt, dass es für eine europäische Nation ohne Halbfinaleinzug schwer werde, „wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben“. Schon die Vorrundenaus 2018 und 2022 hatten dem DFB erhebliche Verluste beschert.

Die TV-Sender ARD und ZDF müssen nun auf den Quotengaranten Deutschland verzichten. Das ZDF meldete für die Übertragung des Paraguay-Spiels durchschnittlich 17,57 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 74,5 Prozent. Beide Sender betonten jedoch, dass sie ihre Programmplanung nicht grundlegend ändern werden. „Wir zeigen alles wie geplant, nur leider ohne deutsche Mannschaft“, hieß es beim ZDF.

Paraguay erklärt Feiertag – Brasilien zittert sich weiter

Paraguays Präsident Santiago Peña rief nach dem historischen Sieg gegen Deutschland einen nationalen Feiertag aus. „Paraguay gibt niemals auf! Feiertag, verdammt!!“, schrieb er auf X. In der Hauptstadt Asunción strömten jubelnde Menschen auf die Straßen. Torhüter Orlando Gill, der im Elfmeterschießen drei Strafstöße abwehrte, erklärte: „Ich habe jeden Spieler, jeden Aspekt, jedes Detail analysiert, und Gott sei Dank konnte ich zwei Elfmeter halten.“

Brasilien entging derweil knapp einer eigenen Schmach. Der Rekordweltmeister gewann sein Sechzehntelfinale gegen Japan mit 2:1 durch ein Last-Minute-Tor von Martinelli in der fünften Minute der Nachspielzeit. Allerdings verletzte sich erneut ein Offensivstar: Lucas Paquetá zog sich eine Muskelverletzung am linken Oberschenkel zu und fällt möglicherweise für das Achtelfinale aus. Zuvor hatte bereits Raphinha mit einer Oberschenkelblessur gefehlt.

Niederlande scheitert an Marokko – Nächste europäische Top-Nation raus

Neben Deutschland ist mit den Niederlanden eine weitere europäische Top-Nation früh ausgeschieden. Oranje unterlag Marokko im Sechzehntelfinale mit 2:3 im Elfmeterschießen. Dabei hatten die Niederlande durch Cody Gakpo in der 72. Minute geführt, ehe Issa Diop in der Nachspielzeit ausglich. Marokko, das vor vier Jahren in Katar als erstes afrikanisches Team ein WM-Halbfinale erreicht hatte, zog damit ins Achtelfinale ein. Der frühere Bundestrainer Louis van Gaal hatte zuvor noch seine Unterstützung für das Team ausgedrückt.