DHL-Brandsatz: Verspätung verhinderte Feuer an Bord
DHL-Brandsatz: Verspätung verhinderte Feuer

Im Prozess in Litauen gegen fünf mutmaßliche Versender von Brandsätzen in Kurierpaketen hat ein DHL-Vertreter eingeräumt, dass die Sicherheitsvorkehrungen vor den Vorfällen unzureichend waren. Zugleich wurde bekannt, dass ein Flugzeug nur durch eine Verspätung einem Feuer an Bord entging. Das Paket mit dem Brandsatz detonierte am Boden im DHL-Logistikzentrum am Flughafen Leipzig, nicht während des Fluges.

Glück im Unglück: Verspätung verhindert Katastrophe

„Wir hatten Glück, dass das Flugzeug Verspätung hatte. Es sollte um 5.30 Uhr abfliegen, und die Brandvorrichtung detonierte um 5.43 Uhr“, sagte der als Zeuge geladene DHL-Vertreter laut einem Bericht der Agentur BNS vor Gericht in Vilnius. Er fügte hinzu, dass die Folgen weitaus gravierender gewesen wären, wenn das Feuer während des Fluges ausgebrochen wäre. Das Paket fing demnach kurz vor dem Verladen Feuer.

Der DHL-Vertreter erläuterte bei der Befragung weiter, wie zwei der insgesamt vier mutmaßlich von den Angeklagten im Interesse des russischen Geheimdienstes verschickten Brandsätze über den Kurierdienst versendet wurden. Einer davon entzündete sich am Flughafen Leipzig und setzte einen Frachtcontainer mit 140 Paketen in Brand, der andere in einem Lagerhaus in Großbritannien.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ermittlungen und Sicherheitslücken

„Bei unseren Untersuchungen stellten wir fest, dass beide Sendungen aus Vilnius verschickt wurden. Wir haben alle im Zuge der Untersuchung gesammelten Informationen an Litauen weitergeleitet“, sagte der DHL-Vertreter. Durch die genaue Nachverfolgung der Pakete sei es möglich gewesen, den Brandherd auszumachen.

Der DHL-Manager räumte laut BNS ein, dass die vor den Vorfällen geltenden Sicherheitsmaßnahmen unzureichend waren. So seien die Pakete zwar geröntgt worden, die Brandvorrichtungen aber unentdeckt geblieben. Die Sicherheitsvorkehrungen seien daraufhin verschärft worden.

Hintergrund: Russische Drahtzieher?

Litauen hatte im Frühjahr Anklage gegen fünf Männer im Alter zwischen 23 und 69 Jahren erhoben. Ihnen werden terroristische Handlungen und die Gründung einer organisierten terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Zwei Sendungen sollen von ihnen von Vilnius mit DHL-Frachtflugzeugen nach Großbritannien verschickt worden sein, die beiden anderen mit DPD-Lastwagen nach Polen. Bei den Verdächtigen handelt es sich um Staatsbürger Russlands, der Ukraine und Litauens.

Das Verfahren wurde von einer umfassenderen Untersuchung abgetrennt, bei der bisher 16 Verdächtige identifiziert wurden, die Pakete mit selbstgebauten Sprengsätzen über Kurierdienste in andere EU-Länder und nach Großbritannien versandt haben. Den litauischen Behörden zufolge wurden die Aktionen von Personen mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst organisiert und koordiniert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration