Unionsfraktionschef Jens Spahn (46, CDU) muss um seine politische Karriere bangen. Seine Entscheidung, gemeinsam mit seinem Mann ein Kind von einer Leihmutter in den USA austragen zu lassen, hat eine heftige Debatte in der Union ausgelöst. Die Stimmen, die seinen Rücktritt fordern, mehren sich. Entscheidend für die Zukunft Spahns in der CDU dürften die kommenden 48 Stunden werden: Am Sonntagabend wird Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) im ZDF-Sommerinterview zu dem Fall Stellung beziehen müssen. Und schon am Montag soll sich Spahn um 11 Uhr vor dem CDU-Präsidium erklären. Kann er seine Kritiker besänftigen?
Heimat-CDU von Merz fordert Spahn-Rücktritt
Die CDU Brilon, der Heimatstadt von Bundeskanzler Friedrich Merz, hat in einem offenen Brief den Rücktritt von Spahn gefordert. Man halte das notwendige Vertrauen in ihn als Vorsitzenden der Bundestagsfraktion für nachhaltig beschädigt, heißt es in dem Schreiben, das auf der Internetseite des Stadtverbands veröffentlicht wurde.
Bosbach: Spahn muss Debatte beenden
CDU-Politiker Wolfgang Bosbach legt Spahn einen baldigen Rücktritt nahe. „Ich hoffe, Jens Spahn erspart der Union, insbesondere der CDU, eine monatelange Debatte über die Frage, ist er noch der Richtige an der Spitze der Fraktion“, sagte Bosbach im Deutschlandfunk. Er bezog sich darauf, dass sich die Fraktion erst im September wieder trifft. Die Erkenntnis zum Rücktritt müsse aber bei Spahn selber reifen, sagte Bosbach. In jedem Fall sei es „nicht gut“, wenn nun täglich Rücktrittsforderungen an Spahn herangetragen würden, dieser aber erst im September die Fraktion über seine Zukunft entscheiden lassen wolle.
Vorwurf der Ausbeutung von Frauen
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker warnt vor Missbrauch und Ausbeutung von Frauen durch eine Leihmutterschaft. „Nicht alles, was medizinisch machbar ist, ist auch ethisch akzeptabel“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Menschliches Leben darf nicht zur Ware gemacht, eine Frau darf nicht auf ihre biologische Funktion reduziert werden. Das widerspricht der Menschenwürde und öffnet den Weg für Missbrauch und Ausbeutung.“



