Die Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nimmt eine überraschende Wendung: Der SPD-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Holger Grießhammer, hat sich für die CSU-Politikerin Ilse Aigner als künftige Bundespräsidentin ausgesprochen. Diese überparteiliche Geste kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Diskussion über die Kandidaten für das höchste Staatsamt in Deutschland an Fahrt gewinnt.
Ein Vorschlag mit Symbolkraft
Grießhammer betonte in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen, dass Aigner über alle nötigen Qualitäten verfüge, um das Amt würdevoll auszufüllen. „Ilse Aigner ist eine Politikerin mit großer Erfahrung, Integrität und Bodenhaftung. Sie könnte das Amt der Bundespräsidentin hervorragend bekleiden“, sagte der SPD-Politiker. Die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin und jetzige bayerische Landtagspräsidentin genießt laut Grießhammer über Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen.
Der Vorschlag ist bemerkenswert, da die SPD traditionell eigene Kandidaten bevorzugt. Grießhammer erklärte, dass es in Zeiten politischer Polarisierung wichtig sei, eine Persönlichkeit zu wählen, die das Land einen könne. „Wir brauchen jemanden, der für Zusammenhalt steht, und das sehe ich bei Frau Aigner“, fügte er hinzu.
Reaktionen aus der CSU
In der CSU stieß der Vorstoß auf geteiltes Echo. Während einige die Wertschätzung aus den Reihen der SPD positiv aufnahmen, äußerten andere Bedenken, dass Aigner in Bayern unverzichtbar sei. Landtagspräsidentin Aigner selbst hat sich bislang nicht offiziell zu einer möglichen Kandidatur geäußert. Sie gilt als pragmatische Politikerin, die sich in ihrer Zeit als Bundesministerin einen Namen machte und seit 2018 das Amt der Landtagspräsidentin innehat.
Politische Beobachter sehen in Grießhammers Vorstoß auch ein strategisches Signal: Die SPD könnte versuchen, durch die Unterstützung einer CSU-Kandidatin die Chancen auf eine Zusammenarbeit in anderen Bereichen zu erhöhen. Zudem könnte ein solcher Schritt die Diskussion um die eigene Kandidatenfindung beleben, denn auch in der SPD werden Namen wie der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel oder die Präsidentin des Deutschen Bundestages Bärbel Bas gehandelt.
Wer wird Steinmeiers Nachfolger?
Die Bundesversammlung, die den neuen Bundespräsidenten wählt, tritt turnusgemäß innerhalb von 30 Tagen nach dem Ende der Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier zusammen. Steinmeier, der seit 2017 im Amt ist, hat angekündigt, nicht erneut zu kandidieren. Die Wahl ist für Anfang 2027 geplant, doch die Personaldebatte läuft bereits auf Hochtouren.
Neben Aigner werden weitere Namen genannt, darunter der frühere Bundespräsident des Bundestages Norbert Lammert (CDU) und die ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD). Auch die Grünen könnten eine Kandidatin ins Rennen schicken, etwa die Außenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt.
Grießhammer betonte, dass die SPD offen für Gespräche mit allen demokratischen Parteien sei. „Wir sollten gemeinsam eine Persönlichkeit finden, die über den Parteien steht“, so der Fraktionschef. Er verwies darauf, dass Aigner als CSU-Politikerin auch von der AfD keine Stimmen erhalten würde, was ihre Wahlchancen in der Bundesversammlung schmälern könnte, da die AfD dort vertreten ist.
Reaktionen aus der Bevölkerung
In Bayern wird der Vorstoß kontrovers diskutiert. Eine Umfrage des Bayerischen Rundfunks ergab, dass 45 Prozent der Befragten Aigner als geeignete Kandidatin sehen, während 38 Prozent sie lieber auf ihrem jetzigen Posten sehen würden. Die restlichen 17 Prozent waren unentschlossen. Aigner selbst hat sich bisher bedeckt gehalten und lediglich erklärt, dass sie ihre Arbeit als Landtagspräsidentin schätze.
Die endgültige Entscheidung über die Kandidaten liegt bei den Parteien. Die SPD hat angekündigt, ihren Kandidaten im Herbst 2026 zu benennen. Bis dahin wird die Debatte weitergehen, und der Vorstoß aus Bayern könnte richtungsweisend sein.



