Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) ist erneut wegen der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in die Kritik geraten. Wie das Portal „Frag den Staat“ berichtete, sollen mehrere Reden und Texte von Voigt mit Hilfe von KI erstellt worden sein – darunter auch eine Rede zum Holocaust-Gedenktag im Jahr 2025. Der Vorwurf wiegt besonders schwer, da es sich um einen sensiblen Anlass handelt.
Voigt rechtfertigt sich: „Ich halte fast alle Reden frei“
Gegenüber dem „Tagesspiegel“ äußerte sich Voigt zu den Vorwürfen. „Wenn es wirklich einzelne Passagen gab, die auch mit Hilfe von KI erstellt worden sind, dann werde ich dafür keinem den Kopf abreißen. Grundsätzlich halte ich aber sowieso fast alle meiner Reden frei“, sagte der CDU-Politiker. Er bekräftigte seine grundsätzliche Befürwortung des KI-Einsatzes. Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zu den konkreten Fällen wollte Voigt zunächst nicht eingehen.
Kritik von der Thüringer Linken
Die Thüringer Linke übt scharfe Kritik an Voigt. Die Landesvorsitzende Katja Maurer erklärte, Voigt verstoße beim KI-Gebrauch gegen die Dienstanweisung seines eigenen Digitalministeriums. Anders als dort festgelegt, fehlten bei Voigts Reden und Zeitungstexten Hinweise auf die Nutzung von KI. „Mit seinem Verhalten wird Mario Voigt zu einem Beispiel dafür, wie man KI nicht nutzt“, so Maurer.
Bereits frühere Auffälligkeiten bei Gastbeitrag
Schon vor einer Woche waren Unstimmigkeiten in einem Gastbeitrag von Voigt und seinem Amtskollegen aus Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), in der „Welt“ aufgefallen. In dem Beitrag ging es um den Anteil deutschsprachiger Musik im Radio. Auch hier gab es Vorwürfe, dass Teile des Textes mit Hilfe von KI erstellt worden sein könnten. Voigts Regierungssprecherin räumte damals ein, dass „moderne digitale Werkzeuge, darunter KI-Anwendungen“ verwendet worden seien. Sie betonte jedoch, dass Positionen, Argumente und Schlussfolgerungen von den Autoren stammten, von ihnen abgestimmt und verantwortet worden seien.
Voigt ohnehin unter Druck wegen Doktortitel-Aberkennung
Der Ministerpräsident steht bereits seit Monaten politisch unter Druck, da ihm die Technische Universität Chemnitz seinen Doktortitel aberkannt hat. Der 49-Jährige wehrt sich gegen diese Entscheidung mit einem Widerspruch und kündigte an, notfalls vor einem Verwaltungsgericht dagegen zu klagen.



