Thüringens Voigt unter Druck: KI-Reden und Plagiatsvorwürfe
Voigt wehrt sich gegen KI-Plagiatsvorwürfe

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt steht im Zentrum einer Kontroverse um den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Reden und Gastbeiträge mit Hilfe von KI verfasst zu haben. Das Online-Portal „Frag den Staat“ analysierte Voigts Texte mit KI-Analyse-Werkzeugen und berichtete, dass unter anderem eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede und eine Neujahrsansprache betroffen sein sollen. Zudem ließen sich Zitate von Wissenschaftlern in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) nicht verifizieren. Die Zeitung zog den Beitrag daraufhin zurück.

Voigt verteidigt KI-Einsatz

Voigt selbst macht keinen Hehl aus seiner Befürwortung von KI. „Ich motiviere alle Mitarbeiter unserer Verwaltung, im Jahr 2026 alle modernen Instrumente für ihre Arbeit zu nutzen. Die KI ist längst Teil der modernen Kommunikation“, sagte der CDU-Politiker dem „Tagesspiegel“. Er betonte, dass er niemandem den Kopf abreiße, wenn einzelne Passagen mit KI erstellt worden seien. Voigt führt in Thüringen seit eineinhalb Jahren eine Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD, die im Landtag keine Mehrheit hat. Politisch steht er bereits seit Monaten wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck.

Doktortitel-Aberkennung und Widerspruch

Die Technische Universität Chemnitz entzog Voigt nach einer Prüfung seiner Dissertation den Doktortitel. Voigt wehrt sich mit einem Widerspruch und kündigte an, notfalls vor einem Verwaltungsgericht zu klagen. Seine Regierungssprecherin erklärte, dass KI-Anwendungen in der Staatskanzlei „unterstützend bei der Erstellung von Reden, Texten und Beiträgen eingesetzt“ werden. Eine generelle Kennzeichnungspflicht bestehe nicht.

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FAZ zieht Gastbeitrag zurück

Die FAZ reagierte auf die Vorwürfe, indem sie einen Gastbeitrag von Voigt über eine Social-Media-Sperre für Kinder und Jugendliche aus dem Netz nahm und im Archiv sperrte. Die Zeitung verwies auf ihre Grundsätze im Umgang mit KI. „Bei Gastbeiträgen verlassen wir uns darauf, dass sie menschengemacht sind und indirekte und direkte Zitate stimmen“, schrieb die FAZ. Auf eine Anfrage an die Thüringer Staatskanzlei seien nur allgemeine Hinweise gekommen, was der Zeitung nicht genügte.

Digitalminister Schütz kritisiert

Thüringens Digitalminister Steffen Schütz (BSW) nutzt KI nach eigenen Angaben nur zu Recherchezwecken und zur Themenaufbereitung. „Reden oder Beiträge erstelle ich nicht mit KI. Würde ich aber kennzeichnen“, sagte er der dpa. In der Staatskanzlei gebe es eine Dienstanweisung zur Nutzung generativer KI-Systeme mit verbindlichen Vorgaben zur Qualitätssicherung. „KI kann unterstützen, die Verantwortung verbleibt stets beim Menschen.“

Opposition und AfD kritisieren

Die oppositionelle Linke in Thüringen warf Voigt vor, gegen die Muster-Dienstanweisung seines Digitalministeriums zu verstoßen, da Hinweise auf KI-Nutzung fehlten. „Mit seinem Verhalten wird Mario Voigt zu einem Beispiel dafür, wie man KI nicht nutzt“, sagte Landesvorsitzende Katja Maurer. Der AfD-Innenpolitiker Ringo Mühlmann, der selbst wegen KI-Nutzung für Kleine Anfragen auffiel, kritisierte, dass sich eine KI „für eine sehr emotionale Rede ein Zitat ausdenkt, mit dem dieser persönlich möglicherweise sogar beim Zuhörer in bestimmter planbarer Weise Emotionen hervorrufen will“. Die KI imitiere emotionale Inhalte ohne emotionalen Hintergrund.

Offene Fragen zur KI-Nutzung

Die Staatskanzlei ließ mehrere Fragen unbeantwortet, etwa wie viele Redenschreiber für Voigt arbeiten, ob alle Reden mit KI erstellt werden und wie hoch der KI-Anteil ist. Auch blieb offen, ob die hinterfragten Zitate erfunden oder von KI erstellt wurden. In Sachsen teilte ein Regierungssprecher mit, dass KI nur für erste grobe Recherchen genutzt werde, nicht für die eigentliche Erstellung von Reden.

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