Berlin treibt Olympia-Bewerbung voran: DOSB-Überzeugungsstrategie
Berlin treibt Olympia-Bewerbung voran: DOSB-Überzeugung

Berlin. Am Donnerstag wollen Berlin und weitere ostdeutsche Länder ihre Olympia-Bewerbung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einreichen. Einige Fragen sind allerdings noch offen. Von Alexander Rothe, Reporter

Das Konzept „Berlin+“ vorgestellt

Kaweh Niroomand, Berliner Olympiabeauftragter, und Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, stellten am Montag das Konzept „Berlin+“ vor. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Bewerbung mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Leipzig, Rostock und fünf Städte in Brandenburg sollen Austragungsorte werden. Burkhard Jung, Oberbürgermeister von Leipzig (SPD), entschuldigte sich für sein Zuspätkommen: „Ich wurde auf der Avus aufgehalten.“ Mit dem Auto war er aus der sächsischen Stadt angereist. Bis zu den Spielen in frühestens zehn Jahren müsse sich die Verkehrssituation verbessern, meinte Jung mit einem Augenzwinkern.

Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044

Die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 soll beim DOSB eingereicht werden. Armin Schuster, Sachsens Innenminister (CDU), sagte bei der Pressekonferenz: „Mit diesem Projekt wird die Wiedervereinigung vollendet.“ Kai Wegner sprach von einem „Investitions-Booster für den gesamten ostdeutschen Raum“ und versprach sich eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

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CO₂-neutrale Spiele als Ziel

Berlin will Vorreiter für ein CO₂-neutrales Sportgroßereignis werden. „Wir planen CO₂-neutrale Spiele“, sagte Kaweh Niroomand. Geplant ist die Verwendung klimafreundlicher Materialien und Kreislaufwirtschaftskonzepte. Zudem will man zu 97 Prozent auf bestehende Sportstätten setzen. „Wir nehmen das, was wir haben, modernisieren es und bringen es auf internationalen Standard“, so Niroomand. Dadurch soll das Risiko von Kostenexplosionen bei Neubauten verringert werden.

Kostenrahmen und Finanzierung

Für die Durchführung der Spiele sind bislang 4,8 Milliarden Euro Ausgaben eingeplant. Zusätzlich sollen 1,6 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden. Ob dieser Preisrahmen auch in zehn Jahren noch stimmt, dafür würde Niroomand seine Hand nicht ins Feuer legen. Auch die Kosten für Sicherheitsstandards seien nicht vorhersagbar. Ein Puffer wurde in den Berechnungen eingebaut. „Wir haben konservativ und transparent gerechnet“, ergänzte Wegner. Nach jetzigem Stand wird mit einem Gewinn von 420 Millionen Euro für Berlin gerechnet.

Bürgerstimmung und Umfragen

Umfragen zeigen ein gemischtes Bild: Im vergangenen Jahr sprach sich in einer Befragung im Auftrag der Berliner Morgenpost eine klare Mehrheit der Berliner gegen Olympia aus. Eine DOSB-Umfrage ergab dagegen, dass 60 Prozent der Befragten Olympische Spiele in Berlin befürworten. Hamburg, einer der Konkurrenten, schied am Sonntag aus, nachdem eine Mehrheit der Hamburger die Bewerbung in einem Referendum ablehnte. Kai Wegner erklärte dies mit einem möglicherweise weniger nachhaltigen Konzept Hamburgs.

Opposition kritisiert Bewerbung

Die Opposition zeigt sich unbeeindruckt. Claudia Engelmann (Die Linke) forderte Wegner auf, keine weiteren Gelder zu verschwenden: „Die Bewerbungsmillionen werden dringend im Sportetat benötigt, um den Schul- und Breitensport zu fördern und den Sanierungsstau bei den Schwimm- und Sporthallen aufzulösen.“ Klara Schedlich (Grüne) sagte: „Das klare Votum aus Hamburg zeigt, warum der Berliner Senat einen Volksentscheid fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.“ Sie bezweifelt, dass Berlin ohne unterstützenden Volksentscheid eine Chance habe.

Volksbegehren und politische Unsicherheit

Das olympiakritische „NOlympia“-Lager sammelt bereits Unterschriften für ein Volksbegehren. Ob genug Stimmen zustande kommen, wird erst nach der DOSB-Entscheidung klar sein. Kaweh Niroomand bezweifelt, dass ausreichend Unterschriften erreicht werden. Zudem könnte nach der Berlin-Wahl im September eine olympiakritische Regierungskonstellation an die Macht kommen. Niroomand sieht dem gelassen entgegen und verweist auf Unterstützung aus Wirtschaft und Kultur. Steffen Krach (SPD) spricht sich dafür aus, dass die Berliner auf Initiative des Senats befragt werden sollten: „Es ist besser, wenn man die Menschen direkt mitnimmt, allein schon deshalb, um nicht anderen die Initiative zu überlassen.“

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