Deradikalisierungsprogramm: Experte hätte Ballout nicht angenommen
Deradikalisierung: Experte hätte Fall Ballout abgelehnt

Der mutmaßliche CSD-Angreifer Abdul Ballout sollte auf gerichtliche Anordnung an einem Deradikalisierungsprogramm des Violence Prevention Network (VPN) teilnehmen. Nach zwei Gesprächen im Juni und Juli zog der Geschäftsführer der Einrichtung, Thomas Mücke, eine ernüchternde Bilanz: „Nach dem bisherigen Stand hätten wir den Fall nicht angenommen. Wir hatten den Eindruck, dass die Person nicht greifbar ist.“

Zwei Gespräche ohne rechtskräftige Grundlage

Die Gespräche mit Ballout fanden am 15. Juni und 8. Juli statt. Ein weiteres Klärungsgespräch war bereits geplant. Wie Mücke der „Berliner Zeitung“ mitteilte, bestand jedoch ein grundlegendes Problem: „Die Weisung war nicht rechtskräftig – das Urteil war noch nicht rechtskräftig. Wir durften also ohnehin nur vorläufig arbeiten.“ Dies erschwerte die Arbeit der Präventionsexperten erheblich.

Laut Mücke zeigte sich Ballout in den Gesprächen nicht als offen aggressiv oder ideologisch gefestigt. Vielmehr sei er schwer einzuschätzen gewesen und habe wenig von seinen politischen oder religiösen Vorstellungen preisgegeben. „Er hat kaum über seine politischen oder religiösen Vorstellungen gesprochen. Auch zu möglichen Feindbildern hat er sich nicht geäußert. Weder zum Gaza-Konflikt noch zum Iran-Konflikt hat er etwas gesagt. Auch Homosexualität war kein Thema“, so Mücke.

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„Er war überfreundlich“ – Zweifel an der Ernsthaftigkeit

Besonders auffällig war für die Experten das Verhalten Ballouts: „Er war überfreundlich“, berichtete Mücke. Dieses Verhalten sei typisch für Teilnehmer, die nicht aus eigener Überzeugung an einem Programm teilnähmen. „Uns fehlte die Ernsthaftigkeit – wir brauchen eine gewisse Freiwilligkeit, damit sich jemand auf den Arbeitsprozess einlässt. Die haben wir nicht gesehen, sondern hatten eher das Gefühl, Zweckantworten zu bekommen.“

Mücke betonte, dass die Einrichtung bei anhaltenden Zweifeln die Jugendgerichtshilfe informiert hätte. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die VPN keine eigenständige Gefährdungseinschätzung vornehme: „Wir schätzen die Gefahr einer Person nicht selbst ein. Wir geben weiter, wenn wir Gefährdungsmomente feststellen. Die Gefährdungseinschätzung ist Aufgabe der Sicherheitsbehörden.“ Diese klare Aufgabentrennung sei essenziell für die Arbeit der Deradikalisierungsstelle.

Die Tat: Auto rast in Menschenmenge im Tiergarten

Am Samstagabend des 26. Juli 2026 gegen 22 Uhr raste ein Auto über die Lennéstraße im Berliner Tiergarten in eine Menschengruppe. Der Fahrer wurde als Abdul Ballout identifiziert, ein 21-jähriger deutscher Staatsbürger und gebürtiger Berliner. Eine Frau starb noch am Tatort, 29 weitere Personen wurden verletzt. Mittlerweile teilten sowohl die Charité Berlin als auch die Polizei mit, dass keine der verletzten Personen mehr in Lebensgefahr schwebt.

Die Polizei erschoss Ballout später bei einem Einsatz. Ein zweiter Tatverdächtiger wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Fall wirft erneut Fragen nach der Wirksamkeit von Deradikalisierungsprogrammen und der Risikoeinschätzung durch Behörden auf.

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