Tatablauf und Ermittlungen
Am Samstag, dem 27. Juni 2026, ereignete sich am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin ein mutmaßlich islamistischer Terroranschlag. Der 21-jährige deutsche Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund, Abdul Ballout, steuerte einen Kleinbus in eine Menschenmenge. Dabei kam eine Frau ums Leben, 29 weitere Personen wurden verletzt. Darüber hinaus soll Ballout mehrere Menschen mit einer Stichwaffe attackiert haben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete die Tat als „islamistischen Terroranschlag“.
Der Anschlag ereignete sich außerhalb des abgesicherten Bereichs der CSD-Veranstaltung, wie Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) betonte. Die Generalbundesanwaltschaft übernahm am Sonntagabend die Ermittlungen. Ein zunächst festgenommener zweiter Tatverdächtiger, ein Iraner, wurde am Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen, da sich der Tatverdacht nicht erhärtete. „Der Mann sei entlassen worden“, bestätigte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft.
Polizeieinsatz und Tod des Verdächtigen
Am Sonntagabend gegen 18 Uhr ortete die Polizei Abdul Ballout in einer Kleingartenanlage im Berliner Bezirk Spandau. Die Spezialeinsatzkräfte (SEK) rückten an. Nach Polizeiangaben lief Ballout mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zu, woraufhin die Beamten schossen und den 21-Jährigen tödlich verletzten. „Die Feuerwehr habe noch versucht, Ballout zu reanimieren, er sei jedoch noch am Einsatzort verstorben“, erklärte ein Polizeisprecher. Der Leiter einer Mordkommission wird die Ermittlungen zum Schusswaffengebrauch übernehmen.
Die Parzelle, in der sich Ballout aufhielt, stand nach Angaben des Bezirksamts Spandau leer. Die letzte Pächterin war zu Beginn des Jahres gestorben. Das Grundstück war weder an den Vater noch an andere Angehörige des Verdächtigen verpachtet.
Hintergrund des Täters
Abdul Ballout war den Behörden bereits bekannt. Er hatte mehrfach versucht, sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien anzuschließen. Im November 2025 wurde er bei seiner Rückkehr am Flughafen Berlin Brandenburg festgenommen. Am 12. Mai 2026 verurteilte ihn ein Jugendschöffengericht zu 22 Monaten Jugendstrafe unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Entscheidung über eine Bewährung wurde für sechs Monate ausgesetzt – somit war Ballout zum Tatzeitpunkt auf freiem Fuß.
Der Vater des mutmaßlichen Attentäters, Tawfik B., gab gegenüber dem „Spiegel“ an, am Tattag noch mit seinem Sohn telefoniert zu haben. „Er hat mich angerufen und wir haben ganz normal gesprochen, wie jeden Tag. Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein“, berichtete der 64-Jährige. Er betonte, die Familie seien Schiiten und unterstütze den IS nicht. Allerdings habe sein Sohn die Sunniten „geliebt“. „Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen“, sagte der Vater.
Reaktionen und Forderungen
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) verurteilte den Anschlag scharf. „Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte unseres Zusammenlebens angegriffen“, hieß es in einer Mitteilung. Der CSD-Vorstand erklärte: „Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung“ und rief gleichzeitig dazu auf, die Tat nicht für Hass gegen Muslime zu instrumentalisieren.
Politiker der CDU fordern nun härtere Maßnahmen gegen Gefährder. Marc Henrichmann, Vorsitzender des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, sagte dem „Handelsblatt“: „Freiheitsrechte von gerichtsbekannten Extremisten und Islamisten dürfen spätestens dann nicht länger überhöht werden, wenn Leib und Leben von Menschen gefährdet sind.“ Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, verlangte: „Bei Anhängern der islamistischen Ideologie darf es keinerlei Nachsicht geben.“
Der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, forderte im „stern“ Erwachsenenstrafrecht für alle Gefährder: „Die dafür notwendige ‚Reifeverzögerung‘ darf künftig nicht mehr angenommen werden, wenn Täter sich radikalisiert haben.“ Auch Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) kündigte an, das Jugendstrafrecht zu überprüfen.
Opfer und Trauer
Von den 29 Verletzten wurden acht in der Charité behandelt, vier von ihnen mussten notoperiert werden. Nach Angaben eines Kliniksprechers erlitten die Opfer vor allem Stichverletzungen, aber auch Knochenbrüche durch den Zusammenstoß mit dem Fahrzeug. Am Sonntag versammelten sich zwischen 8.000 und 10.000 Menschen zu einer Trauerkundgebung am Brandenburger Tor. Ein Trauermarsch zog von der Marienkirche zum Brandenburger Tor. Der CSD-Vorstand empfahl den Betroffenen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.



