Bei dem kontroversen Parteitag der nordrhein-westfälischen AfD hat deren Landeschef Martin Vincentz einen Machtkampf gewonnen, die Folgen sind aber unklar. Der Parteitag sei beendet und es seien 82 Listenplätze vergeben worden, sagte ein Parteisprecher in Marl.
Umfragen zufolge könnten mindestens die ersten 30 Plätze für ein Landtagsmandat nach der Landtagswahl 2027 reichen. Wie aus Parteikreisen verlautete, wurden die allermeisten Plätze mit Unterstützern von Vincentz besetzt. Er selbst kam auf Platz 1 der Landesliste.
Spaltung in zwei Lager
Der NRW-Landesverband der AfD ist seit Langem tief zerstritten und in ein eher gemäßigt auftretendes Lager rund um Vincentz und ein weiter rechts, völkisch-national orientiertes Lager gespalten. Das gegnerische Lager hatte den Saal am Freitag aus Protest verlassen, der Vize-Landesvorsitzende Christian Zaum sprach von einem "Parteitag der Schande".
Die Vincentz-Gegner beklagten, dass die Liste nicht alle Strömungen der Partei berücksichtige. Anschließend erschienen sie nicht, wodurch der Parteitag zügig zum Ende kam. Knapp 500 Delegierte waren bei dem Parteitag stimmberechtigt, laut AfD kamen etwa 350.
Blockade am vorherigen Wochenende
Vincentz' Rivalen hatten den Parteitag am vergangenen Wochenende blockiert, indem sie massenhaft eigene Leute zur Kandidatur antreten ließen: Für Listenplatz 22 wurden mehr als 90 Kandidaten nominiert, wobei jedem acht Minuten Redezeit zustanden. Dadurch wurde der Zeitrahmen gesprengt.
Bundesvorstand könnte Vincentz absetzen
Die AfD-Bundessprecherin Alice Weidel und Co-Parteichef Tino Chrupalla, die enge Verbindungen zum völkisch-nationalen Lager haben, warfen Vincentz Unregelmäßigkeiten bei der Nominierung der Kandidatenliste vor. Sie forderten, die Aufstellung der Landesliste abzubrechen und den Parteitag noch einmal neu zu beginnen. Vincentz wiederum warf dem gegnerischen Lager vor, es gehe offensichtlich nur darum, "eine für den Bundesvorstand genehme Landtagsliste zu generieren".
Offen ist, wie es nun weitergeht. Möglich ist, dass der Bundesvorstand der AfD die NRW-Wahlliste nicht anerkennt oder Vincentz gar als Landessprecher absetzt. Dann müsste neu gewählt werden. Mit Blick auf diese Szenarien gibt sich Vincentz gelassen: Er betont, seine Unterstützer und er würden sich dann eben erneut durchsetzen. Zur nun beschlossenen Landesliste sagt er: "Die Liste ist rechtssicher."



