CDU verabschiedet sich unter Merz vom Konzept der Kanzlerpartei
CDU: Abschied vom Kanzlerwahlverein unter Merz

Die CDU hat sich unter Kanzler Friedrich Merz von ihrem traditionellen Selbstverständnis als Kanzlerpartei verabschiedet. Das Ausmaß der internen Kritik an Merz und die Zahl seiner Kritiker in den Spitzengremien der Partei markieren einen Kipppunkt. Am Montag, dem Tag der Kabinettsumbildung im Bundestag, machte sich die Union endgültig von ihrer Rolle als pragmatische Regierungspartei los.

Vom Kanzlerwahlverein zur Kritik an der eigenen Führung

Einst wurde die CDU respektvoll als „Kanzlerpartei“ oder spöttisch als „Kanzlerwahlverein“ bezeichnet. Beide Begriffe waren treffend: Seit 1949 stellte die CDU in gut 53 von 77 Jahren den Bundeskanzler und tut es bis heute. Der Erfolg beruhte auf Geschmeidigkeit und Pragmatismus, wie Gründungskanzler Konrad Adenauer riet: „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt’s nicht.“ Programmatik stand oft hinten an. Doch unter Merz funktioniert dieses Konzept nicht mehr.

Angela Merkel trieb das Modell der Kanzlerpartei auf die Spitze, indem sie programmatische Ansprüche der CDU kappte – Wehrpflichtabschaffung, Atomausstieg, Mindestlohn. Die Partei duldete dies um der Macht willen. Merz weckte überhöhte Erwartungen: Er wollte die Partei mit sich versöhnen, Migrationspolitik und Bürgergeld abschaffen. Sein Generalsekretär Carsten Linnemann versprach: „Einfach mal machen.“ Vor der Wahl 2025 tönte Merz: „Links ist vorbei.“ Doch es folgten ein schlechtes CDU-Wahlergebnis und eine Koalition mit der SPD, die zu Rekordverschuldung, Rentenzugeständnissen und enormem Unmut führte.

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Interne Welle der Kritik

Am Montag im CDU-Bundesvorstand verteidigte nur Carsten Linnemann den Kanzler gegen die Kritiker. Teilnehmer berichteten, dass die Kritik aus allen Teilen der CDU kam: aus Nord, Ost, West, vom wirtschaftsliberalen und Sozialflügel, von Älteren und Jüngeren. Selbst Politiker, die sich sonst selten intern äußerten, erhoben Vorwürfe. Das Ausmaß der Kritik und die Zahl der Kritiker könnten den Montag zu einem Kipppunkt gemacht haben. Die mächtigen Köpfe in der CDU schwiegen.

Der Abschied von der Kanzlerpartei ist ein schleichender Prozess. Bereits Ende 2025 protestierten jüngere Unionsabgeordnete gegen die schwarz-rote Rentenpolitik. In einer Probeabstimmung stimmten etwa 15 Abgeordnete mit Nein – obwohl die Kanzlermehrheit von Schwarz-Rot nur bei zwölf Stimmen liegt. Die Reform passierte zwar, aber die Machtprobe mit dem Kanzler war offensichtlich. 172 der 208 Unionsabgeordneten sind direkt gewählt, was sie selbstbewusst macht. Der Wunsch nach „Profil“ wird größer.

Merz’ schwindende Unterstützung

„Universell kritisch“ seien die Führungsgremien Merz am Montag begegnet, hieß es aus Teilnehmerkreisen. „Ernst“ sei die Lage für den Kanzler. Selbst öffentlich rüffeln CDU-Politiker nun den Kanzler. Es fehlt die Fantasie, wie Merz die CDU mit sich selbst wieder versöhnen könnte. Merz ist der unbeliebteste Kanzler aller Zeiten; die Umfragewerte sind miserabel. Im September drohen der CDU Wahlniederlagen und Machtverlust.

Das Konzept der Kanzlerpartei – dem Kanzler den Rücken freihalten, solange er gute Wahlergebnisse bringt – kommt an sein Ende. Manchmal schwinden Loyalitäten verblüffend schnell. Der Abschied der CDU von ihrem Selbstverständnis als Kanzlerpartei ist endgültig vollzogen.

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