Thorsten Frei steht vor der Wahl zum Vorsitzenden der Unionsfraktion. Doch die Unzufriedenheit in der CDU über Bundeskanzler Friedrich Merz könnte seinen Start überschatten. Der 52-jährige Südbadener ist unter den Abgeordneten beliebt, aber die Stimmung in der Partei ist angespannt.
Ärger über Merz trifft auch seinen designierten Fraktionschef
Der Ärger über die Art, wie Merz sein Kabinett umgebaut hat, ist groß. In Rheinland-Pfalz, dem Heimatverband des überraschend entlassenen Verkehrsministers Patrick Schnieder, sagte die Landtagsfraktion einen geplanten Termin mit dem Kanzler ab. In Ostdeutschland sorgt die Versetzung von Gesundheitsstaatssekretär Tino Sorge aus Sachsen-Anhalt für Unverständnis. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer kritisierte öffentlich die Verschiebung von Christiane Schenderlein ins Gesundheitsministerium.
Für Frei ist es nicht das erste Mal, dass er Kritik abfängt, die eigentlich Merz gilt. Bereits als Kanzleramtsminister wurde er aus den eigenen Reihen angegriffen, oft stellvertretend für den Kanzler. Ein Abgeordneter beschrieb die Stimmung in der Fraktion als „gefährlich“, was das Wahlergebnis für Frei drücken könnte.
Hoffmann: „Großes Vertrauen“ in Frei
Alexander Hoffmann, kommissarischer Fraktionschef und CSU-Landesgruppenchef, zeigte sich am Dienstag optimistisch. „Die Fraktion hat großes Vertrauen in Frei“, sagte Hoffmann. Die CSU sei „sehr zuversichtlich“, dass er ein starkes Ergebnis erzielen werde. Gleichzeitig räumte er ein: „Wir arbeiten daran, dass Thorsten Frei morgen ein gutes Ergebnis bekommt.“ Die Unsicherheit bleibt.
Die Abgeordneten wünschen sich jedoch einen starken Fraktionschef, der ihre Interessen gegenüber der Regierung vertritt. Unter Jens Spahn hatte sich die Fraktion als selbstbewusstes Machtzentrum etabliert. Spahn erreichte 2025 bei seiner ersten Wahl 91,3 Prozent der Stimmen, bei der Wiederwahl im Frühjahr 2026 noch 86,5 Prozent. Sollte Frei deutlich darunter liegen, würde das seinen Start erschweren.
Ventil für die Wut: Aussprache nach der Wahl
Nach der Wahl des Fraktionschefs steht eine Aussprache auf der Tagesordnung, die als Ventil für die aufgestaute Unzufriedenheit dienen könnte. Die Koalition – Union und SPD – hat nur zwölf Sitze Mehrheit und steht vor großen Herausforderungen wie der Rentenreform und Gesundheitsreform. Jede Verletzung durch Merz‘ Personalpolitik könnte später zum Problem werden. Die rheinland-pfälzische Landesgruppe etwa stellt elf Abgeordnete, die sich brüskiert fühlen. Neue Kritik an Merz blieb am Dienstag weitgehend aus, aber Verteidiger waren ebenfalls nicht zu hören.



