Beim CDU-Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt hat Kabarettist Didi Hallervorden erneut Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius attackiert – und erstmals auch die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann direkt angegriffen. Vor rund 500 Gästen im Hugo-Junkers-Saal in Dessau sorgte der 90-jährige Künstler am Montagabend für Aufsehen und Beifall.
Anti-Merz-Lied und Attacken auf Pistorius
Gleich zu Beginn seiner Bühnenperformance wandte sich Hallervorden singend an den Kanzler: „Tagchen, Friedrich Merz. Ich wollte Ihnen eigentlich schreiben, doch lass’ ich’s lieber bleiben und sag’s, dass alle’s hören: Kriegstüchtig sollen wir sein, so wie vor 90 Jahren …“ Auf einer Leinwand waren dabei Bilder von Merz und Pistorius zu sehen. Auch der Verteidigungsminister bekam sein Fett weg: „Hallo Herr Kriegsminister, Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten …“
Der Auftritt war Teil einer Veranstaltungsreihe, bei der Hallervorden für Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) wirbt. Bereits in der Vorwoche hatte ein gemeinsamer Auftritt in Magdeburg für Wirbel in der CDU gesorgt. Die neue Generalsekretärin Hoppermann hatte sich damals öffentlich von Teilen der Inhalte distanziert – insbesondere von einem Video, das eine Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zeigte.
Retourkutsche gegen Hoppermann
Hallervorden ließ die Kritik nicht auf sich sitzen. In Dessau sagte er mit Blick auf Hoppermann: „Uns alle wird es noch geben, wenn Frau Hoppermann abgewählt ist.“ Zuvor hatte Moderatorin Clara von Nathusius betont, wie viel Aufmerksamkeit die Magdeburger Veranstaltung der CDU bundesweit eingebracht habe. Hallervorden selbst zeigte sich unbeirrt: „Mein Rückgrat sagt mir in Zusammenarbeit mit meinem Gehirn: Lass Dich nicht verbiegen.“
Schulze, der anders als beim Anti-Merz-Lied zu Beginn später gemeinsam mit Hallervorden auf der Bühne stand, bemühte sich um Distanz. „Ich teile nicht jeden Inhalt von Didi“, sagte der Ministerpräsident. Die gemeinsamen Auftritte stünden unter dem Motto „Kunst braucht Freiheit, nicht Kunst braucht Zustimmung“. Er wolle das Thema Meinungsfreiheit „nicht einer Partei überlassen“. Vielleicht sei es ein Fehler, „dass die CDU solche kontroversen Debatten selten geführt hat“.
Israel-Kritik und Völkermord-Vorwürfe
Inhaltlich ging Hallervorden erneut auf den Nahostkonflikt ein. Er betonte, er stelle „in keinster Weise das Existenzrecht Israels infrage“, sprach dann aber von einem „Völkermord“ Israels in Gaza und verwies auf das von Südafrika angestrengte Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof. Der Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 wurde an dem Abend nicht erwähnt. Schulze stellte klar: „Ich stelle in keinster Weise das Existenzrecht Israels infrage, und auch zum Thema Völkermord habe ich eine völlig andere Meinung.“
Beifall erhielt Hallervorden für seine Kritik an der Haltung der Bundesregierung zum möglichen Krieg Israels und der USA gegen den Iran. Er sagte, da stimme „irgendwas nicht“, wenn dieser Krieg nicht als völkerrechtswidrig bezeichnet werde. Kanzler Merz habe das bislang vermieden.
Warnung vor AfD und Zensur
Der Kabarettist versteht sich als „unbequemer Mahner“ und warb vehement für Meinungs- und Kunstfreiheit. Diese sieht er durch die AfD bedroht, die, so Hallervorden, „ideologische Eindeutigkeit und patriotische Pflichtkenntnisse“ verlange. Das führe am Ende zu Zensur.
Zum Abschluss des Abends verstieß Hallervorden erneut gegen CDU-Linien: Er riet der Partei, es sich „nicht mit den Linken zu verscherzen“, da man sie „wahrscheinlich zur Tolerierung brauchen“ werde. Schulze reagierte gelassen: Er sei mit Hallervorden nicht „immer hundertprozentig einer Meinung“.



