Hallervorden attackiert Merz, Pistorius und neue CDU-Generalsekretärin
Hallervorden greift Merz, Pistorius und CDU-Spitze an

Beim CDU-Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt hat Entertainer Didi Hallervorden am Montagabend in Dessau erneut Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius scharf attackiert. Erstmals nahm er sich auch die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann vor, die seine vorherigen Auftritte öffentlich gerügt hatte. Vor rund 500 Gästen im Hugo-Junkers-Saal sorgte der 89-Jährige mit einem Anti-Merz-Lied und provokanten Aussagen zum Nahostkonflikt für viel Beifall, aber auch für Kontroversen.

Hallervorden singt gegen den Kanzler

Schon nach einer Minute auf der Bühne wandte sich Hallervorden singend an den Kanzler: „Tagchen, Friedrich Merz. Ich wollte Ihnen eigentlich schreiben, doch lass’ ich’s lieber bleiben und sag’s, dass alle’s hören: Kriegstüchtig sollen wir sein, so wie vor 90 Jahren … Mein hochverehrter Kanzler, mein Sohn wird niemals schießen, der mag nicht, Sie zu grüßen und sagt: Mich kriegt Ihr nicht.“ Auf der Leinwand hinter ihm waren Merz und Pistorius zu sehen. Auch Pistorius bekam sein Fett weg: „Hallo Herr Kriegsminister, Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten …“

Der Auftritt war Teil einer Veranstaltungsreihe mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), der in knapp fünf Wochen um seine Wiederwahl kämpft. Die CDU liegt in Umfragen weit hinter der AfD, und jede Aufmerksamkeit ist willkommen. Doch Hallervordens vorheriger Auftritt in Magdeburg hatte für Ärger in der CDU gesorgt, weil er dort den Begriff „Völkermord“ im Zusammenhang mit Israels Militäroperation im Gazastreifen verwendet hatte. Generalsekretärin Hoppermann hatte sich davon distanziert.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Retourkutsche gegen die Generalsekretärin

Hallervorden ließ die Kritik nicht auf sich sitzen. In Dessau sagte er mit Blick auf Hoppermann: „Uns alle wird es noch geben, wenn Frau Hoppermann abgewählt ist.“ Zuvor hatte Moderatorin Clara von Nathusius betont, wie viel Aufmerksamkeit die Magdeburger Veranstaltung der CDU bundesweit eingebracht habe. Hallervorden, geboren 1935 in Dessau, unterstützt Schulze in diesem Wahlkampf, wirbt für Meinungs- und Kunstfreiheit und wettert gegen die AfD. Beim Thema Frieden zielt er auf Merz und Pistorius – der Name Putin fällt an diesem Abend nicht.

In einem Video, das während Hallervordens Gesangseinlage gezeigt wurde, war eine Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zu sehen. Hallervorden erklärte, er stehe zu dem, was er denke und sage: „Mein Rückgrat sagt mir in Zusammenarbeit mit meinem Gehirn: Lass Dich nicht verbiegen.“

Schulze wahrt Distanz

Ministerpräsident Schulze, der zu Beginn des Liedes noch nicht auf der Bühne stand, gesellte sich später zu Hallervorden. Die beiden Männer duzen sich, doch Schulze betonte: „Ich teile nicht jeden Inhalt von Didi.“ Er sehe die gemeinsamen Auftritte als Beitrag zur Meinungsfreiheit, nicht als inhaltliche Zustimmung. „Vielleicht ist es ein Fehler, dass die CDU solche kontroversen Debatten selten geführt hat“, sagte Schulze. Er wolle das Thema Meinungsfreiheit „nicht einer Partei überlassen“.

Schulze stellte klar: „Ich stelle in keinster Weise das Existenzrecht Israels infrage und auch zum Thema Völkermord habe ich eine völlig andere Meinung.“ Hallervorden betonte ebenfalls, das Existenzrecht Israels stehe für ihn außer Frage, sprach dann aber erneut von einem „Völkermord“ Israels in Gaza und verwies auf das Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof, das Südafrika angestrengt hat. Der Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 blieb an diesem Abend unerwähnt.

Beifall für provokante Thesen

Beifall erhielt Hallervorden für seine Bemerkung, es stimme „irgendwas nicht“, wenn der Krieg Israels und der USA gegen den Iran nicht als völkerrechtswidrig bezeichnet werde. Merz habe das bislang vermieden. Als „unbequemer Mahner“ sieht sich Hallervorden und wirbt vehement für Meinungs- und Kunstfreiheit. Diese sieht er durch die AfD bedroht, wenn diese, wie er sagt, „ideologische Eindeutigkeit und patriotische Pflichtkenntnisse“ verlange – das führe am Ende zu Zensur.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Zum Abschluss des Abends verstieß Hallervorden erneut gegen CDU-Linien: Neben einer Koalition mit SPD und Grünen riet er der CDU, es sich „nicht mit den Linken zu verscherzen“, da man sie „wahrscheinlich zur Tolerierung brauchen“ werde. Schulze reagierte gelassen: Er sei mit Hallervorden nicht „immer hundertprozentig einer Meinung“.