Zentimetergroße Hagelkörner haben am Dienstagabend in Rheinland-Pfalz für ein Bild gesorgt, das man sonst nur im tiefsten Winter kennt: Straßen, Gärten und Einfahrten waren innerhalb weniger Minuten komplett weiß. Bei Temperaturen von 36 Grad musste sogar der Winterdienst ausrücken, um die Straßen von den Eismassen zu befreien. Die Aufnahmen von extremwetter.tv zeigen eine bizarre Winterlandschaft mitten im Hochsommer.
Unwetterfront über Deutschland
Die heftigen Gewitter waren Teil einer Unwetterfront, die über weite Teile Deutschlands zog. Zuvor hatte eine Hitzewelle für Rekordtemperaturen gesorgt, doch dann schlug das Wetter um. Innerhalb kürzester Zeit entluden sich Blitz, Donner, Starkregen und Hagel. Besonders betroffen war Rheinland-Pfalz, wo die Hagelkörner in einer Größe von mehreren Zentimetern vom Himmel fielen.
Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. In vielen Orten waren die Straßen mit einer dicken Eisschicht bedeckt, die von den Einsatzkräften geräumt werden musste. Auch die Autofahrer standen vor großen Herausforderungen, denn die Fahrbahnen waren spiegelglatt. Zahlreiche Unfälle wurden gemeldet, verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen aber niemand.
Winterdienst im Hochsommer
Besonders skurril war der Einsatz des Winterdienstes, der normalerweise nur bei Schnee und Eis ausrückt. Bei 36 Grad im Schatten schoben die Mitarbeiter die Hagelmassen von den Straßen. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, sagte ein Sprecher des örtlichen Bauhofs. „Das ist wie im Winter, nur eben mitten im Sommer.“ Die Räumfahrzeuge waren mit Schneepflügen ausgestattet, um die Straßen wieder befahrbar zu machen.
Die Hagelschicht war stellenweise so dick, dass sie an Schneeverwehungen erinnerte. In Gärten und auf Feldern wurden die Pflanzen schwer beschädigt. Landwirte befürchten erhebliche Ernteausfälle. Auch an Gebäuden und Autos entstanden Schäden durch die großen Hagelkörner.
Superzelle wütet in Süddeutschland
Doch nicht nur Rheinland-Pfalz war betroffen. Auch in Süddeutschland tobte eine Superzelle, die für ähnliche Bilder sorgte. In München türmte sich der Hagel bis zu 30 Zentimeter hoch. Auch dort musste der Winterdienst ausrücken, um die Straßen zu räumen. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, um vollgelaufene Keller und überflutete Straßen zu bewältigen.
Die Unwetterfront zog weiter und erreichte schließlich auch Nordrhein-Westfalen. In Dortmund und anderen Städten gingen schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel nieder. „Die Gewitterwalze hat sich von Nord nach Süd über ganz Deutschland erstreckt“, erklärte ein Meteorologe. „Wir haben Blitze und eine Mega-Wolke über dem Land gesehen.“
Folgen und Ausblick
Die Aufräumarbeiten dauern noch an. Vielerorts sind die Straßen immer noch mit Hagelresten bedeckt. Die Behörden warnen vor weiteren Gewittern in den kommenden Tagen. Die Kombination aus extremer Hitze und heftigen Gewittern ist typisch für den Klimawandel, sagen Experten. „Solche Extremwetterlagen werden häufiger“, so der Meteorologe.
Für die betroffenen Anwohner bleibt die Situation angespannt. Viele haben mit den Folgen der Unwetter zu kämpfen, sei es durch überschwemmte Keller oder beschädigte Dächer. Die Versicherungen rechnen mit hohen Schadenssummen. Die genaue Bilanz steht jedoch noch aus.



