Jens Spahn, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, war von 2018 bis 2021 Bundesgesundheitsminister und gehört zu den profiliertesten Politikern seiner Partei. Der gebürtige Westmünsterländer, der mit 15 Jahren in die Junge Union eintrat, hat sich nach der Wahlniederlage 2021 als migrations- und innenpolitischer Hardliner positioniert. Sein Ziel: ein Ministeramt im möglichen Kabinett unter Friedrich Merz nach der Bundestagswahl im Februar 2025.
Privatleben: Herkunft, Ehemann und Wohnort
Jens Georg Spahn wurde am 16. Mai 1980 in Ahaus (Nordrhein-Westfalen) geboren. Er wuchs mit zwei jüngeren Geschwistern auf; sein Vater Georg Spahn starb im April 2024 im Alter von 77 Jahren. Nach dem Abitur 1999 an der Bischöflichen Canisiusschule in Ahaus absolvierte Spahn eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Münster. Später erwarb er an der Fernuniversität Hagen einen Bachelor und einen Master in Politikwissenschaften. Spahn ist römisch-katholisch und seit 2017 mit dem Journalisten und Lobbyisten Daniel Funke verheiratet. Das Paar lebt in Berlin.
Politische Karriere: Vom jüngsten Abgeordneten zum Minister
Spahn trat 1995 mit 15 Jahren in die Junge Union ein, 1997 folgte die CDU-Mitgliedschaft. Nach kommunalpolitischen Ämtern – unter anderem im Kreistag Borken – gelang ihm 2001 der Sprung als Direktkandidat für den Bundestag. Seit 2002 hält er das Direktmandat im Wahlkreis Steinfurt I/Borken I und war mit Anfang 20 der jüngste Abgeordnete im Parlament. Er profilierte sich als Gesundheitspolitiker und Kritiker des Merkel-Kurses. 2018 berief ihn Angela Merkel zum Gesundheitsminister – sein bislang wichtigstes Amt. Nach der Wahlniederlage 2021 übergab er an Karl Lauterbach (SPD). Spahn gehört seit 2014 dem CDU-Präsidium an und war stellvertretender Parteivorsitzender. 2018 kandidierte er für den Parteivorsitz, landete jedoch hinter Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. 2020 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur und unterstützte Armin Laschet.
Corona-Pandemie: Masken, Impfstoffe und Kontroversen
Als Gesundheitsminister stand Spahn während der Corona-Pandemie im Fokus. Er verantwortete das Infektionsschutzgesetz, das dem Staat weitreichende Befugnisse ohne Parlamentszustimmung einräumte. Kritik gab es an der Beschaffung von Masken – ihm wurde vorgeworfen, zu teuer eingekauft und Aufträge nicht ausgeschrieben zu haben. Später mehrten sich Vorwürfe, die Impfstoffbeschaffung sei zu langsam gewesen. Eine Impfpflicht lehnte Spahn trotz wachsender Forderungen ab. Sein Satz „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen“ prägte die Debatte. Die meisten Vorwürfe gegen ihn wurden später entkräftet.
Weitere politische Positionen: Organspende, Migration und Bürgergeld
Spahn setzte sich als Minister für die Widerspruchslösung bei der Organspende ein – der Gesetzesentwurf scheiterte im Bundestag. Erfolgreich war er mit der Einführung einer Masern-Impfpflicht. Nach 2021 fiel er mit harter Rhetorik in der Migrationspolitik auf: Er forderte, irreguläre Migration „mit physischer Gewalt“ zu unterbinden, und bezeichnete das europäische Asylsystem nach dem Attentat von Solingen als „Irrsinn“. Zudem drängte er auf eine Verfassungsänderung, um Sanktionen gegen Bürgergeld-Empfänger zu verschärfen – das Bundesverfassungsgericht hatte das Existenzminimum als unantastbar bestätigt.
Kontroversen um private Investitionen und Villa
Mehrfach sorgten private Investitionen Spahns für Schlagzeilen. Der Kauf einer Villa in Berlin-Dahlem für einen Millionenbetrag – finanziert unter anderem von der Sparkasse Westmünsterland, in deren Verwaltungsrat Spahn saß – wurde kritisch hinterfragt. Spahn ging erfolglos gerichtlich gegen die Veröffentlichung der Kaufsumme vor. Im Februar 2023 wurde bekannt, dass er die Villa mit Verlusten verkaufte.
Zukunftspläne: Rückkehr ins Ministeramt
Im Oktober 2024 kündigte Spahn an, im Falle eines CDU-Wahlsiegs wieder ein Ministeramt übernehmen zu wollen. „Ich würde gerne mitmachen in dem Team, das da regieren könnte. Bundesminister zu sein, ist eine der größten Ehren, die es gibt“, sagte er. Es müsse „nicht gerade das Gesundheitsministerium sein – ich fände auch eine andere Aufgabe spannend.“ Die Bundestagswahl findet im Februar 2025 statt.



