Die politische Zukunft von Kai Wegner (53) als Spitzenkandidat der Berliner CDU steht auf dem Spiel. Für Freitagabend um 18:30 Uhr sind die zwölf Kreischefs der Berliner Union zu einem Krisentreffen eingeladen. Die Einladungs-Mail, die BILD vorliegt, kündigt lediglich an: „Selbstverständlich gibt es wieder was zu essen ...“ Das alleinige Thema ist Wegners politische Zukunft nach seinen mehrfachen Unwahrheiten zu seinem Krisenmanagement beim Stromausfall Anfang Januar. Zuerst das verschwiegene Tennismatch, dann keine dienstlichen Telefonate am Vormittag.
Erste Rufe nach Rücktritt
Als erster CDU-Funktionär meldete sich Harald Burkart (30), der selbst umstrittene Chef der Jungen Union. Der spöttisch „Hantel-Harry“ genannte Freizeitsportler forderte, Wegner solle unmissverständlich erklären, dass er nicht mehr als Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters antritt. „Im Interesse der Stadt und der Partei sollte jemand kandidieren, der in seiner persönlichen Integrität unangreifbar ist“, so Burkart zum Nachrichtenportal „The Pioneer“.
Insider erwarten jedoch, dass Wegner sich nicht freiwillig zurückzieht. „Der klebt wie Pattex am Stuhl“, sagt eine hochrangige Mandatsträgerin. Allerdings wird rund zehn Wochen vor der Berlin-Wahl (20. September) nicht mit einem Putsch gerechnet. Denn auch die beiden potenziellen Alternativen Stefan Evers (46, Finanzsenator) und Felor Badenberg (51, Justizsenatorin) wollen so kurzfristig nicht einspringen, heißt es.
Zeitdruck durch Frist für Wahlvorschläge
Es gibt enormen Zeitdruck: Am Dienstag kommender Woche läuft die Frist für die Einreichung der Wahlvorschläge beim Landeswahlleiter ab. Danach sind keine Änderungen mehr möglich. Auf BILD-Anfrage wollte sich die Berliner CDU nicht dazu äußern, wie das Prozedere beim möglichen Rücktritt des Spitzenkandidaten wäre.
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (46) hat schon eine mögliche Koalition mit der CDU ausgeschlossen, wenn Wegner dem neuen Senat wieder angehören sollte. Derzeit regiert Berlin eine schwarz-rote Koalition. In der vergangenen Wahlumfrage (Infratest) lag die bislang immer führende CDU nur noch mit 17 Prozent auf Platz vier. Vorne stand die Linke (20 Prozent), gefolgt von Grünen (19) und AfD (18).
Hintergrund: Der Stromausfall und Wegners Krisenmanagement
Der Stromausfall Anfang Januar hatte die Hauptstadt lahmgelegt. Wegner geriet in die Kritik, weil er zunächst ein Tennismatch verschwieg und später keine dienstlichen Telefonate am Vormittag führte. Die Affäre um seine Unwahrheiten belastet die CDU im Wahlkampf erheblich.



