Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat die geplante Beschaffung von US-Mittelstreckenraketen des Typs Tomahawk durch die Bundeswehr als unproblematisch für das Verhältnis zu Russland bewertet. „Wir sind ein Verteidigungsbündnis. Das bedeutet, dass wir niemals jemanden angreifen werden“, sagte der Niederländer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Stationierung der Marschflugkörper gehe es ausschließlich um glaubwürdige Abschreckung und die Fähigkeit, sich im Verteidigungsfall wirksam zur Wehr setzen zu können.
Deutsche Pläne nach Nato-Gipfel angekündigt
Die deutschen Pläne für den Kauf der Tomahawks waren in der vergangenen Woche kurz nach dem Nato-Gipfel in Ankara bekanntgegeben worden. Zuvor hatte Bundeskanzler Friedrich Merz von US-Präsident Donald Trump die Zusage erhalten, dass die USA die offizielle Genehmigung für den Verkauf der Marschflugkörper sowie von Startrampen des Typs Typhon erteilen. Rutte bezeichnete diesen Schritt als „ausgezeichnete Nachricht“. „Das bringt eine zusätzliche Ebene des Vertrauens in unsere gemeinsame Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit“, erklärte er der dpa.
Tomahawk mit 2.500 Kilometern Reichweite
Nach Angaben der Bundeswehr können mit dem Raketensystem Typhon Tomahawk-Marschflugkörper mit einer Reichweite von etwa 2.500 Kilometern abgefeuert werden. Damit übertreffe es derzeit alle in Europa verfügbaren Systeme. Zum Vergleich: Die Bundeswehr ist im Bereich weitreichender Waffen bislang allein auf den Marschflugkörper Taurus angewiesen, dessen Reichweite mit rund 500 Kilometern deutlich geringer ist. Mit Tomahawks ließen sich Ziele weit im Hinterland eines Feindes präzise angreifen – etwa Kommandoeinrichtungen, militärische Flugplätze oder Abschussrampen für weitreichende Flugkörper. Ein Vorteil des Waffensystems Typhon ist zudem seine Mobilität, da es auf Lastwagen installiert werden kann.
Keine Bindung an frühere US-Zusage
Ursprünglich war geplant gewesen, dass die USA selbst Tomahawks sowie Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland stationieren. An diese beim Nato-Gipfel 2024 gemachte Ankündigung der damaligen Regierung von Präsident Joe Biden sieht sich die Trump-Regierung jedoch nicht gebunden. Wie viele Waffensysteme Deutschland nun in den USA kauft, wird geheim gehalten, ebenso der Kaufpreis.



