Unionsfraktionschef Jens Spahn hat sich erstmals öffentlich zu der Kritik an seiner Elternschaft mithilfe einer Leihmutter in den USA geäußert. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung erklärte er, dass die Frage seiner politischen Zukunft mit der Fraktion erörtert werde, „wenn wir uns im September wiedersehen“. Er wolle die Debatte mit seiner Fraktion führen und die Entscheidung in ihre Verantwortung legen, „wo es ja auch hingehört, der Vorsitzende der Fraktion“. Zugleich betonte Spahn die Notwendigkeit, die Balance zu wahren: „Es ist und bleibt was sehr Privates. Ich möchte meine Familie schützen.“
Hintergrund der Kontroverse
Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern geworden sind. Diese Nachricht löste in der Union eine heftige Debatte aus, da Leihmutterschaft in Deutschland nicht zulässig ist und die CDU sich klar gegen eine Legalisierung ausspricht. Erst im Februar hatte die CDU auf ihrem Parteitag einen Beschluss gefasst, der Leihmutterschaft weiterhin ablehnt.
Rücktrittsforderungen und Reaktionen
Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters, der auch im CDU-Bundesvorstand sitzt, forderte Spahns Rücktritt als Vorsitzender der Unionsfraktion. „Mit einer Leihmutterschaft in den USA hat Spahn sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“, sagte Peters der „Bild“. Auch Kanzler Friedrich Merz kündigte an, dass Spahn Thema in der nächsten Präsidiumssitzung sein werde. Die Opposition wirft Spahn Doppelstandards vor.
Spahns Verteidigung
Spahn verteidigte sich im „Bild“-Podcast: „Eltern werden oder Leihmutter sein steht nicht unter Strafe.“ Er räumte jedoch ein: „In Deutschland ist die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung verboten – zum Beispiel das Einsetzen einer Eizelle und die ganze ärztliche Begleitung des Prozesses. Das ist das, was verboten ist.“
Spahn hatte früher selbst die Leihmutterschaft abgelehnt. „Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen“, sagte er. „Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden.“ Er kenne es „als Christ“, dass „das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben. Und dass das manchmal kein Schwarz und Weiß hat und keine einfachen Entscheidungen.“
Vergleich mit der Ehe für alle
Es sei nicht das erste Mal, dass er sich gegen einen Parteibeschluss stelle, sagte Spahn und erinnerte an die Bundestagsabstimmung zur Ehe für alle: „Meine Partei hat mit großer Mehrheit dagegen gestimmt, dass ich meinen Mann heiraten kann, 2017 bei der Bundestagsabstimmung. Ich habe dafür gestimmt und ich habe meinen Mann geheiratet.“
Priorität Familie
Für ihn sei klar: „Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie“, sagte Spahn. „Es ist einfach toll, es ist ein tolles Gefühl.“ Er spüre die neue Verantwortung gegenüber seinem Sohn Georg, ihm „zu helfen, hoffentlich ein guter Mensch zu werden, seinen Platz im Leben zu finden und auch was weiterzugeben“. Sein Mann Daniel Funke und er hätten den Wunsch nach einem eigenen Kind „von Anfang an gehabt, und jetzt sind wir Familie und freuen uns“.
Das Paar hatte Agenturen beauftragt, zu prüfen, dass die Leihmutter in den USA „finanziell unabhängig ist, dass sie bereits mindestens ein Kind bekommen hat, dass sie in einer gefestigten Familiensituation und Lebenssituation ist“, so Spahn.



