Spahn verteidigt Leihmutterschaft: Zwischen Moral und Leben
Spahn verteidigt Leihmutterschaft: Zwischen Moral und Leben

Unionsfraktionschef Jens Spahn steht wegen seiner Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA unter erheblichem Druck. In einem halbstündigen Interview im Podcast von „Bild“-Reporter Paul Ronzheimer äußert sich der CDU-Politiker erstmals ausführlich zu den moralischen, rechtlichen und persönlichen Aspekten. Er spricht mehrfach von „Zerrissenheit“ und versucht, seine Entscheidung trotz gegenteiliger Parteilinie zu rechtfertigen.

Rücktritt: Spahn stellt sich der Fraktion

Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt als Fraktionschef verweist Spahn auf die Entscheidung der Unions-Bundestagsfraktion. „Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht“, sagt er mit Blick auf die konstituierende Sitzung nach der Sommerpause im September. Formal wählt die Fraktion ihren Vorstand und den Vorsitzenden, doch ein Vorsitzender könnte theoretisch auch von sich aus seinen Verzicht erklären. Spahn betont jedoch: „Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie.“

Parteilinie versus persönliche Überzeugung

Spahn trennt klar zwischen seiner persönlichen Entwicklung und der Beschlusslage der CDU, die eine Legalisierung von Leihmutterschaft ablehnt. „Ich sehe es offenkundig anders, aber ich akzeptiere natürlich einen Mehrheitsbeschluss meiner Partei“, erklärt der Fraktionschef. Er verweist auf seine Abstimmung für die Ehe für alle im Jahr 2017, als die Mehrheit der Unionsabgeordneten dagegen stimmte. „Der Christ weiß eben auch, wir sind nicht perfekt. Und wir sind manchmal zerrissen und es gibt manchmal keine einfache Antwort.“

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Vorwurf der Doppelmoral: Spahn rechtfertigt sich

Den Vorwurf der Doppelmoral kann Spahn nachvollziehen und akzeptiert ihn, kritisiert jedoch die zunehmend scharfe Wortwahl in der Debatte. Als „mittelalter Mann Mitte 40“ mit Lebenserfahrung sieht er einen Gegensatz zwischen „kirchlicher Moral, ethischen Prinzipien, der entsprechenden Klarheit und gleichzeitig gibt es das Leben“. Als katholischer Christ wisse er, „dass das eine die reine Lehre ist und das andere ist das echte Leben“. Die Entscheidung zur Familiengründung sei ein jahrelanger Prozess gewesen. In den USA seien die Rahmenbedingungen für Leihmutterschaft so, dass er damit gut umgehen und dies verantworten könne.

Rechtliche Einordnung: Nicht verboten, aber nicht möglich

Spahn argumentiert: „Es ist in Deutschland nicht verboten, Eltern durch Leihmutterschaft zu werden.“ Verboten seien lediglich die Vermittlung und die ärztliche Behandlung, was die Umsetzung faktisch unmöglich mache. Er verweist auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wonach eine gerichtliche Anerkennung zweier Väter in den USA auch in Deutschland anerkannt werde. „Trotzdem bleibt natürlich der Punkt, dass das so in Deutschland nicht möglich ist.“ Ohne diesen rechtlichen Rahmen wäre er diesen Schritt „wahrscheinlich nicht gegangen“.

Vaterrolle und Beziehung zur Leihmutter

Spahn spricht von einer besonderen Verantwortung als Vater. „Das gibt Sinn, ganz anders Sinn dem Leben.“ Es sei die Möglichkeit, jemandem zu helfen, ein guter Mensch zu werden und seinen Platz im Leben zu finden. „Für uns ist einfach wichtig, dass wir auch was weitergeben können“, sagt er für sich und seinen Mann. Zur Leihmutter äußert er sich nicht und verweist auf persönliche Details.

Information des Kanzlers

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bestätigt, dass Spahn ihn am vergangenen Freitag über die bevorstehende Vaterschaft informiert habe. Spahn bestätigt dies: Er habe den Kanzler „Ende der Woche informiert, dass ich sozusagen als Vater aus den USA wiederkommen werde“. Merz habe gratuliert und „sich erst mal persönlich für uns gefreut“. Man habe aber auch darüber gesprochen, dass dies keine einfache Ausgangslage sei.

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