Thorsten Frei: Mit 91,9 Prozent zum neuen Fraktionschef der Union
Thorsten Frei: Neuer Fraktionschef der Union mit 91,9 Prozent

Thorsten Frei, 52, ist neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bei der Wahl in der Fraktion erhielt er 91,9 Prozent der Stimmen – ein besseres Ergebnis als sein Vorgänger Jens Spahn, der vor einem Jahr mit 88,7 Prozent ins Amt startete. Die erwartete Quittung für den Ärger über die Personalrochade des Kanzlers blieb aus.

Vom Kanzleramt an die Fraktionsspitze

Frei, der als enger Vertrauter von Kanzler Friedrich Merz gilt, war bereits nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr als Fraktionschef im Gespräch. Merz entschied sich jedoch, ihn zum Chef des Kanzleramts zu machen und überraschte viele mit der Ernennung Spahns. Freis Zeit im Kanzleramt war von Anfang an holprig: Er ließ die erste Sitzung des Koalitionsausschusses zugunsten einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis sausen, und aus Union, SPD und Ländern wurde ihm teils chaotische Amtsführung vorgeworfen. Zuletzt verbesserte sich sein Standing, und Merz hatte nie Zweifel an ihm – wäre Spahn nicht zurückgetreten, hätte Frei seinen Posten wohl behalten.

Rückkehr in vertrautes Terrain

Frei kehrt nun in gewohnte Gefilde zurück. Er muss sich nicht einarbeiten, kennt alle Themen und Akteure bestens. Das ist für die Koalitionsarbeit von großem Vorteil, die mit dem Reformpaket nach 15 Monaten in geregelte Bahnen gelenkt wurde. Sein guter Draht zu Merz wird hilfreich sein, doch in seiner neuen Rolle wird er dem Kanzler gegenüber anders auftreten müssen. Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht – diesen Anspruch werden die Abgeordneten nicht aufgeben. Frei muss beweisen, dass er bei aller Loyalität zum Kanzler auch die Fraktionsinteressen vertreten kann. Die 91,9 Prozent sind ein Vertrauensvorschuss, den er einlösen muss.

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Karriere: Vom Schwarzwald in den Bundestag

Der Vater von drei Kindern stammt aus Säckingen im Schwarzwald an der Schweizer Grenze. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister von Donaueschingen wurde. Seit 2013 sitzt er im Bundestag, ab 2021 als Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef Friedrich Merz. Nun hat er den nächsten Schritt gemacht – und muss liefern.

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