Union beschönigt Biomethan-Verfügbarkeit für neue Heizungen
Union beschönigt Biomethan-Verfügbarkeit für Heizungen

Zwei führende Unionspolitiker haben gegenüber ihrer Fraktion behauptet, dass für Gasheizungen künftig reichlich Biomethan zur Verfügung stehen werde. Die Grünen werfen ihnen daraufhin vor, die eigenen Leute irrezuführen. Der Streit entzündet sich an einer zentralen Frage des neuen Heizungsgesetzes.

Behauptung der Union: Ausreichend Biomethan für Gasheizungen

Laut einem Bericht des SPIEGEL vom 3. Juli 2026 haben die beiden Unionspolitiker in einer Fraktionssitzung versichert, dass die Versorgung mit Biomethan für neu eingebaute Gasheizungen gesichert sei. Sie argumentierten, dass die Produktion von Biomethan in den kommenden Jahren massiv ausgebaut werde und somit genügend klimaneutrales Gas zur Verfügung stehe, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Das Heizungsgesetz schreibt vor, dass neue Heizungen ab 2028 zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen – Biomethan gilt dabei als eine Option.

Grüne kritisieren Darstellung als irreführend

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden wies die Darstellung der Union scharf zurück. „Biomethan ist ein wertvoller und begrenzter Rohstoff, der nicht nur für Heizungen, sondern auch für die Stromversorgung und als Treibstoff gebraucht wird“, sagte sie. „Die Union beschönigt die Realität und führt ihre eigenen Leute in die Irre, wenn sie suggeriert, dass es unbegrenzt Biomethan für alle neuen Gasheizungen geben wird.“ Verlinden betonte, dass eine Verwendung von Biomethan in großem Stil für Heizungen zu Konflikten mit anderen Sektoren führen würde. „Wenn wir Biomethan vor allem zum Heizen nutzen, fehlt es an anderer Stelle, etwa in der Industrie oder im Schwerlastverkehr, wo es ebenfalls dringend benötigt wird.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hintergrund: Die Rolle von Biomethan im Heizungsgesetz

Das neue Heizungsgesetz, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, sieht vor, dass ab 2028 neu installierte Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Neben Wärmepumpen und Fernwärme gilt auch Biomethan als eine mögliche Erfüllungsoption. Allerdings ist die Verfügbarkeit von Biomethan begrenzt: Laut Branchenangaben lag die Biogasproduktion in Deutschland im Jahr 2025 bei rund 100 Terawattstunden, wovon der Großteil bereits für die Stromerzeugung und die Wärmeversorgung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen genutzt wird. Eine Studie des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) aus dem Jahr 2024 geht davon aus, dass das Potenzial für einen Ausbau der Biomethanproduktion auf maximal 150 Terawattstunden bis 2030 begrenzt ist – vor allem aufgrund von Flächenkonkurrenz und ökologischen Restriktionen.

Experten warnen vor unrealistischen Erwartungen

Energieexperten sehen die Behauptungen der Union kritisch. „Die Vorstellung, dass Biomethan in großen Mengen für neue Gasheizungen zur Verfügung steht, ist unrealistisch“, sagte Prof. Dr. Martin Kaltschmitt von der Technischen Universität Hamburg. „Selbst wenn die Produktion ausgebaut wird, wird Biomethan ein knappes Gut bleiben, das prioritär dort eingesetzt werden sollte, wo es keine Alternativen gibt – wie in der Industrie oder im Güterverkehr. Eine flächendeckende Nutzung für Heizungen wäre ineffizient und teuer.“

Politische Reaktionen und Ausblick

Der Streit um die Biomethan-Verfügbarkeit ist ein weiteres Kapitel in der kontroversen Debatte um das Heizungsgesetz. Während die Union auf Technologieoffenheit setzt und auch Gasheizungen mit Biomethan als zukunftsfähig ansieht, fordern die Grünen eine klare Priorisierung von Wärmepumpen und Fernwärme. Die Bundesregierung steht nun vor der Herausforderung, die gesetzlichen Vorgaben so zu gestalten, dass sie sowohl klimapolitisch wirksam als auch gesellschaftlich akzeptiert sind. Die nächste Sitzung des Bundestagsausschusses für Klimaschutz und Energie ist für Mitte Juli angesetzt, in der die Details des Gesetzes weiter beraten werden sollen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration