Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) hat die Weichenstellung für den möglichen Einstieg von Wettbewerbern wie dem italienischen Anbieter Italo im deutschen Schienenfernverkehr scharf kritisiert. „Die lukrativen Metropolenachsen werden weiter ausgebaut, während die Regionen in der Fläche das Nachsehen haben“, erklärte Crumbach. Für Brandenburg befürchtet er weniger Halte, schlechtere Anschlüsse und dünnere Takte – gerade dort, wo die Menschen auf die Bahn angewiesen seien.
Infrastruktur vor Wettbewerb: Crumbach fordert Prioritätenwechsel
„Erst muss die Infrastruktur stabil und leistungsfähig gemacht werden – mit massiven Investitionen in Netz, Stellwerke und Digitalisierung“, forderte der Minister. „Dann können wir über zusätzlichen Wettbewerb reden.“ Die Bundesnetzagentur hatte zuvor entschieden, dass die Deutsche Bahn auf stark belasteten Strecken künftig mindestens ein Viertel der Kapazitäten an Wettbewerber im Fernverkehr vergeben muss. Konkret geht es um den für 2028 geplanten Markteinstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo.
Hintergrund: Italo-Beschwerde bei der Bundesnetzagentur
Italo hatte Beschwerde bei der Bundesnetzagentur gegen die Art und Weise eingelegt, wie die ohnehin begrenzten Schienenkapazitäten in Deutschland vergeben werden. Die Behörde gab dem Anbieter teilweise recht und verpflichtete die Deutsche Bahn zu mehr Wettbewerb. Der Schritt soll den Markt öffnen und Fahrgästen mehr Auswahl bieten. Aus Sicht von Crumbach könnte dies jedoch zu Lasten der ländlichen Regionen gehen, da sich Wettbewerber vornehmlich auf die profitablen Strecken zwischen Großstädten konzentrieren würden.
Auswirkungen auf Brandenburg: Sorge um Anbindung
Brandenburg ist ein Flächenland mit vielen ländlichen Gebieten, die bereits heute oft nur eine dünne Taktung im Schienenverkehr aufweisen. Sollte Italo tatsächlich in den deutschen Fernverkehr einsteigen, befürchtet Crumbach eine weitere Verschlechterung der Anbindung. „Die Menschen in der Fläche dürfen nicht die Verlierer dieser Marktöffnung sein“, betonte er. Stattdessen müsse der Ausbau der Infrastruktur Priorität haben, bevor neue Anbieter auf das Netz gelassen würden.



