FDP nach Parteitag: Gibt es einen Kubicki-Effekt bei den Mitgliederzahlen?
FDP: Kubicki-Effekt bei Mitgliederzahlen?

Berlin. Nach der Wahl von Wolfgang Kubicki zum neuen FDP-Vorsitzenden spricht die Partei von „Rückenwind“. Doch reicht das für ein politisches Comeback? Eine Analyse der aktuellen Mitgliederzahlen und Umfragewerte zeigt ein gemischtes Bild.

Mitgliederzahlen steigen leicht

Wie die FDP am Montag mitteilte, verzeichnete die Partei seit dem Parteitag rund 780 Neueintritte, denen lediglich 80 Austritte gegenüberstanden. Damit liegt der Nettozuwachs bei etwa 700 Mitgliedern, was einem Plus von rund einem Prozent entspricht. Die Gesamtmitgliederzahl der FDP schwankt seit Jahren um die 70.000er-Marke. Nach einem Höchststand von 77.276 Mitgliedern im Jahr 2021 fiel sie bis 2024 auf etwa 69.000. Der aktuelle Trend zeigt nun eine leichte Erholung.

Generalsekretär Hagen: „Wir spüren Rückenwind“

Der neue Generalsekretär Martin Hagen zeigte sich optimistisch: „Wir spüren seit Ostern und insbesondere nach der Wahl des neuen Führungsteams Rückenwind – auch bei den Mitgliederzahlen. Dass sich nach dem Parteitag viele Menschen zum Eintritt in die FDP entschlossen haben, motiviert uns.“

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Umfragen: Kein klarer Effekt

In den Umfragen ist ein Kubicki-Effekt jedoch weniger deutlich. Zwar sahen zwei Umfragen die Liberalen in der vergangenen Woche wieder bei fünf Prozent, in mehreren anderen verharrten sie jedoch bei drei bis vier Prozent. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder vom Wissenschaftszentrum Berlin erklärte: „In den meisten Umfragen lässt sich ein so klarer Effekt nicht ablesen. Die Werte sind eher relativ stabil geblieben.“ Er fügte hinzu: „Nachvollziehbar wäre aber, dass im Nachgang zu den Ereignissen auf dem Parteitag so etwas wie eine nachholende Aufmerksamkeit und Relevanz aufseiten der FDP stattfindet, was sich auch in Zustimmungswerten niederschlagen könnte.“

Partei gilt als gespalten

Laut Schroeder ist die FDP in hohem Maße gespalten. „Und diese Spaltung hat der jetzige Parteivorsitzende maßgeblich zu verantworten.“ Denn Kubicki habe kurz vor dem Parteitag seinen Kurs in Fragen der Abgrenzung zur AfD offener und angreifbarer gestaltet als von vielen erwartet. „Auf jeden Fall ist für einen Teil der Parteimitglieder ein ungutes Gefühl aufgekommen“, so Schroeder. Die erhoffte Krönungsmesse für Kubicki sei ausgeblieben, die Partei sei angeschlagen.

Chancen und Risiken für die FDP

Trotz der internen Spannungen sieht Schroeder Chancen für die FDP, insbesondere bei den anstehenden Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. „Es scheint ein Spektrum zu geben zwischen der AfD und der Union, in dem man alte FDP-Wähler wieder gewinnen könnte“, sagte er. Das Motto könnte lauten: „Wählt uns, wir sind ähnlich populistisch wie die AfD, aber eben nicht extrem und nicht radikal.“ Das Risiko bestehe jedoch, dass die FDP ihre Stimmen nicht von der AfD zurückholt, sondern von der CDU. „Das würde künftige Koalitionen in der politischen Mitte schwächen“, warnte Schroeder. Er bezeichnete die Situation als „eine starke Gratwanderung und eine Geschichte mit offenem Ausgang“.

Ob der Kubicki-Effekt tatsächlich nachhaltig wirkt, bleibt abzuwarten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die FDP ihren Platz zwischen Union, AfD, Grünen und SPD zurückerobern kann.

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