FDP-Politikerin Preisler beschuldigt Unschuldigen nach CSD-Anschlag
FDP-Politikerin beschuldigt Falschen nach CSD-Anschlag

Nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat die FDP-Politikerin Karoline Preisler durch fragwürdige Posts auf X einen Unschuldigen öffentlich mit der Tat in Verbindung gebracht. Der Mann, Abdul M., erhält seither Morddrohungen und sieht sein Leben in Gefahr. Preisler räumte später ein, dass ihre Hinweise nicht zum Täter führten, löschte ihre ursprünglichen Beiträge jedoch nicht.

Falsche Verbindung hergestellt

Bereits Stunden vor dem Anschlag am 26. Juli 2026 teilte Preisler, die für das Berliner Abgeordnetenhaus kandidiert, auf X einen Beitrag über einen angeblich abgeschobenen Mann, der nun versuche, nach Deutschland zurückzukehren. Rund vier Stunden nach dem Attentat postete sie einen zweiten Beitrag, in dem sie andeutete, sie habe Hinweise auf „den mutmaßlichen Täter und das Tatfahrzeug“ an die Polizei weitergeleitet – angeblich vergeblich. Andere User verknüpften die Posts schnell und behaupteten, der Abgeschobene sei der Attentäter.

In Wirklichkeit handelt es sich bei dem von Preisler ins Spiel gebrachten Mann nicht um den Täter Abdul Ballout, sondern um einen völlig unbeteiligten Deutschen namens Abdul M., der in Berlin lebt und studiert. Ein schneller Vergleich der Fotos, die die Polizei von Ballout veröffentlicht hatte, zeigte die Diskrepanz. Preisler selbst stellte später klar, dass ihr Verdächtiger nicht der Gesuchte sei, doch den ursprünglichen Post löschte sie nicht. In Interviews, etwa mit dem Journalisten Constantin Schreiber, bezeichnete sie Abdul M. weiterhin als Islamisten und warf ihm Homophobie vor.

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Die Rolle der Sozialen Medien

Die Falschinformation verbreitete sich rasant auf Facebook, Instagram und anderen Plattformen. Millionen sahen Beiträge, die Abdul M. fälschlich als CSD-Attentäter darstellten. Abdul M. selbst betonte auf TikTok, er habe eine „weiße Weste“ und distanziere sich von der Tat. Er sei in Deutschland geboren, besitze die deutsche Staatsbürgerschaft und habe die angebliche Abschiebung nur für ein Social-Media-Experiment inszeniert. „Mein Leben ist in Gefahr“, sagte er sichtlich mitgenommen in einem Video. Er und seine Familie würden bedroht, er leide psychisch unter den Anschuldigungen.

Die Polizei in Berlin fahndete derweil weiter nach dem tatsächlichen Attentäter Abdul Ballout, der bei dem Anschlag auf den CSD mehrere Menschen tötete und verletzte. Preislers Aktion lenkte jedoch Ressourcen und öffentliche Aufmerksamkeit in eine falsche Richtung. Der Vorfall zeigt die Gefahren ungeprüfter Informationen in Krisenzeiten.

Auswirkungen und Kritik

Abdul M. sieht sich nun massiven Anfeindungen ausgesetzt. Seine Anwälte prüfen rechtliche Schritte gegen Preisler. Die FDP-Politikerin verteidigte ihr Vorgehen in einem Interview mit der „Welt“: Sie habe lediglich Hinweise weitergeleitet, die sie für relevant hielt. Eine offizielle Richtigstellung von Preisler oder der FDP blieb bislang aus. Derweil fordern queere Verbände und Journalisten mehr Sorgfalt im Umgang mit Verdächtigungen in sozialen Netzwerken.

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